May Ayim

Mis en avant

deutschland im herbst

es ist nicht wahr
daß es nicht wahr ist
so war es
erst zuerst dann wieder

so ist es

kristallnacht:
im november 1938
zerklirrten zuerst
fensterscheiben
dann
wieder und wieder
menschenknochen
von juden und schwarzen und
kranken und schwachen von
sinti und roma und
polen von lesben und
schwulen von und von
und von und von
und und

erst einige dann viele

immer mehr:
die hand erhoben und mitgemacht
beifall geklatscht
oder heimlich gegafft
wie die
und die
und der und der
und der und die
erst hin und wieder
dann wieder und wieder

schon wieder?

ein einzelfall:
in november 1990 wurde
antonio amadeo aus angola
in eberswalde
von neonazis
erschlagen
sein kind kurze zeit später von einer
weißen deutschen frau
geboren
ihr haus
bald darauf
zertrümmert

ach ja

und die polizei
war so spät da
daß es zu spät war
und die zeitungen waren mit worten
so sparsam
daß es schweigen gleichkam
und im fernsehen kein bild
zu dem mordfall

zu dem vorfall kein kommentar:

im neuvereinten deuschland
das sich so gerne
viel zu gerne
wiedervereinigt nennt
dort haben
in diesem und jenem ort
zuerst häuser
dann menschen
gebrannt

erst im osten dann im westen
dann
im ganzen land

erst zuerst dann wieder

es ist nicht wahr
daß es nicht wahr ist
so war es

so ist es:
deutschland im herbst
mir graut vor dem winter

May Ayim (Photo: Orlanda Frauenverlag)

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« Mit Nettsein kam man noch nie weit » – Interview mit Annette Niesyto, der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Karlsruhe

Das war super, Annette!

Wie steht’s um die Gleichberechtigung?
Badische Zeitung – 20.09.2018
FREIBURG. In Karlsruhe haben sich Anfang dieser Woche etwa 400 Frauen zur Bundeskonferenz der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten getroffen. Ines Alender sprach mit der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Karlsruhe, Annette Niesyto, über die Konferenz,…

BZ: Frau Niesyto, wir haben in Deutschland eine Bundeskanzlerin, das Verfassungsgericht ist mit sieben Richterinnen fast paritätisch besetzt und immer mehr junge Eltern teilen sich die Familienarbeit untereinander auf. Wofür brauchen wir noch Gleichstellungsbeauftragte?
Niesyto: Das Verfassungsgericht ist eine positive Ausnahme. Es gibt aber immer noch Bereiche mit deutlichen Schieflagen. Wenn Sie auf Führungspositionen insgesamt schauen, sind es nur ein Viertel Frauen, wenn Sie auf die politische Repräsentanz im Bundestag schauen, sind es nur 31 Prozent, das ist ein Niveau von vor 20 Jahren. In wichtigen Bereichen haben wir minimale Fortschritte erreicht, beim Verdienstunterschied zum Beispiel. Bei der Gewalt gegen Frauen gibt es dagegen überhaupt keinen Rückgang, außerdem hat sich bei den alten Themen Altersarmut und Aufteilung der unbezahlten Sorgearbeit wenig verändert.
BZ: Das waren alles schon Themen, als Sie 1990 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Karlsruhe wurden. Das ist fast 30 Jahre her.
Niesyto: Genau. An den großen Themen hat sich wenig getan. Als ich anfing, haben viele gesagt: Das wächst sich alles aus. Was sich aber heute zeigt, ist, dass die Diskrepanz zwischen Auftrag und Wirklichkeit gar nicht so viel kleiner geworden ist. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey hat auf der Konferenz gesagt, der Fortschritt sei eine Schnecke. Wir wollen der Schnecke aber Flügel verleihen.
BZ: Gibt es denn außer dem minimalen Rückgang beim Verdienstunterschied noch weitere Fortschritte?
Niesyto: Es gibt einige. Für die Stadt Karlsruhe kann ich beispielsweise sagen, dass vieles besser geworden ist, beim Personal haben wir wirklich viel erreicht. In Baden-Württemberg sind wir heute mehr Gleichstellungsbeauftragte als damals, seit 2016 gibt es das Chancengleichheitsgesetz. Leider haben wir bundesweit keine einheitlichen Rahmenbedingungen für die Arbeit der Gleichstellungsbeauftragten – das bräuchten wir aber, um bei dem Thema voranzukommen.

http://www.frauenbeauftragte.de: Themen wie Sorgearbeit, Armut und Wohnungslosigkeit, Gewalt und Sexismus, Antirassismus, Schwangerschaftsabbruch, Digitalisierung, ländlicher Raum, Strukturen und Strategien kommunaler Gleichstellungspolitik, etc. wurden diskutiert und in einer Karlsruher Erklärung manifestiert. Eine lautstarke Frauendemo vor das Bundesverfassungsgericht brachte die Forderungen effektvoll an die Öffentlichkeit.


BZ: Laut der Fakten, über die Sie auf der Konferenz gesprochen haben, fängt die Diskriminierung schon ziemlich früh an. Jungen der vierten Klasse bekommen pro Monat durchschnittlich 16,25 Euro Taschengeld, Mädchen nur 11,94 Euro.
Niesyto: Das zeigt, dass sich die Rollenbilder in den Köpfen weniger verändert haben, als wir glauben. Ganz viel läuft unterbewusst auf, die meisten Eltern geben ihrem Sohn ja nicht bewusst mehr Taschengeld. Das heißt, wir müssen auch Einstellungen und Rollenbilder ändern – und das macht es so schwierig.
BZ: Wie könnte das gelingen?
Niesyto: Wir müssen Denkmuster mit kreativen Einfällen aufbrechen. Ich habe in meinem Büro beispielsweise drei Verkehrsschilder stehen: eines mit einer Bauarbeiterin, eines mit zwei Frauen und eines mit einem Mann und einem Kind an der Hand. Wenn Sie heute die Rollenbilder in Schulbüchern analysieren, erschrecken Sie. Max tankt und Karin kauft ein. Das fällt uns nur nicht mehr auf, weil wir daran gewöhnt sind.
BZ: Vor welchen Herausforderungen stehen Gleichstellungsbeauftragte heute?
Niesyto: Wir müssen mit Gegenwind kämpfen. Insbesondere von rechts, aber auch allgemein, gibt es Antifeminismus. Die Wirklichkeit wird sich zurechtgebogen, mittlerweile seien die Männer benachteiligt. Die Fakten sprechen aber eine andere Sprache.
BZ: Sie arbeiten für die Stadt Karlsruhe. Mit welchen Problemen wenden sich heute Frauen im Alltag an Sie?
Niesyto: Es geht um Alltagssorgen, Schulden, Scheidung, oft Gewalt, Beruf und Existenzsicherung. Manchmal auch um Beschwerden gegen städtisches Vorgehen. Beschwerden gegen sexistische Werbung sind gängig. Wenn mal wieder ein blödes Plakat irgendwo hängt, kann es sein, dass unser Büro zwei Tage lahmgelegt ist.
BZ: Wenden sich auch Männer an Sie?
Niesyto: Ja, schon immer ungefähr zehn Prozent oder etwas mehr. Oft geht es um Vereinbarkeitsfragen oder darum, dass Männer ihren Job reduzieren möchten. Manche regen sich über Geschlechterstereotype auf oder über Dinge, die sie mit ihren Töchtern erlebt haben.
BZ: Die Bundeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten hat die « Karlsruher Erklärung » einstimmig verabschiedet. Was verbirgt sich dahinter?
Niesyto: Wir fordern darin ein schlüssiges Gesamtkonzept, das die Ungerechtigkeiten und Fehlentwicklungen zum Nachteil von Frauen beendet. Bund, Länder und Kommunen müssen an einem Strang ziehen. Die Dinge müssen zusammenpassen und sich nicht gegenseitig torpedieren, wie zum Beispiel beim Ehegattensplitting. Eine Bundesstiftung, die im Koalitionsvertrag versprochen wird, soll außerdem die Forschung besser zusammenführen und begleiten.
BZ: Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hat auf der Konferenz junge Frauen dazu aufgerufen, sich zu engagieren. Sie sagte: « Mit Nettsein kommt man nicht immer sehr weit. » Müssen Frauen auch 2018 nerven, damit es mit der Gleichberechtigung weiter vorangeht?
Niesyto: Mit Nettsein kam man noch nie weit. Wie sagte Simone de Beauvoir: Frauen, die nichts fordern, bekommen nichts. Aber auch Diplomatie gehört dazu. Frauen müssen das ganze Klavier beherrschen. Nettsein, Diplomatie, Hartnäckigsein. Momentan braucht es vor allem Klarheit und Hartnäckigkeit.

Annette Niesyto (65) ist seit 1990 Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Karlsruhe. Sie ist in Freiburg aufgewachsen. Ende des Monats geht Niesyto in den Ruhestand.
© 2018 badische-zeitung.de

Bloß keine Tochter! – Un monde sans femmes (ARTE-Doku)

Asiens Frauenmangel und die Folgen

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Regie : Antje Christ, Dorothe Dörholt
Deutschland 2018
Herkunft : NDR
91 Min.
Verfügbar von 19/06/2018 bis 25/06/2018
Nächste Ausstrahlung am Mittwoch, 4. Juli um 09:20

Fast 200 Millionen Frauen « fehlen » in Asien – die Folge gezielter Abtreibung von Mädchen und zweifelhafter Bevölkerungspolitik. Ein investigativer Dokumentarfilm über Frauen, die keine Töchter bekommen dürfen, über verzweifelte Versuche von Männern, doch noch irgendwo eine Ehefrau zu finden, und über den Missbrauch von Frauen als Spielball von Politik und Wirtschaft.
Der Frauenhandel boomt: In China finden Millionen Männer im heiratsfähigen Alter keine Frau mehr – genau wie in Indien und Südkorea. Auf Flugblättern und Plakaten preisen sie ihre Söhne an: chinesische Mütter auf der verzweifelten Suche nach einer Schwiegertochter. Wie konnte es so weit kommen und wer ist dafür verantwortlich, dass weltweit Millionen von Frauen fehlen? Neben anderen Faktoren ist es auch die traditionelle Präferenz von Söhnen ist, die vielerorts zur selektiven Abtreibung von Mädchen geführt hat. Jedoch ist Frauenmangel kein nationales, selbst verschuldetes Phänomen einzelner Länder, sondern Folge gezielter Bevölkerungspolitik von Industrienationen nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Angst vor einer Bevölkerungsexplosion: Entwicklungsgelder und der Einsatz medizinischer Geräte spielen damals wie heute eine erhebliche Rolle. Anhand von persönlichen Schicksalen aus Südkorea, China, Indien sowie Vietnam und belegt durch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial wird den Gründen und Folgen des von Menschen gemachten Ungleichgewichts der Geschlechter nachgegangen. Ein Blick in die Zukunft: Entführung, Verkauf und Missbrauch von Mädchen und jungen Frauen nehmen zu. Das Phänomen des Frauenmangels und des Männerüberschusses destabilisiert immer mehr Gesellschaften weltweit. Ein investigativer Dokumentarfilm über Verflechtungen aus Politik, Wirtschaft und Medizin, die Frauen – früher wie heute – zum Spielball staatlicher und krimineller Interessensgruppen werden lässt.
© 2018 arte.tv

Rezension:
https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/1252625/grossartig-doku-bloss-keine-tochter-19-juni-20-15-uhr-arte

Hüben und drüben! Es ist Frühling in Korea

Beide haben die Demarkationslinie überschritten: das historische Treffen zwischen Moon und Kim

screenshot tagesschau.de: Historisches Treffen der beiden Präsidenten am 27.04.2018

Historischer Korea-Gipfel: Nordkoreas Machthaber Kim auf südkoreanischem Boden
tagesschau – 27.04.2018 14:10
=> http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-398525~player_branded-true.html

Vom Albtraum zum Frühling
tagesschau – 27.04.2018 18:09 Uhr
Es geht nicht nur um nukleare Abrüstung – es soll ein Friedensvertrag abgeschlossen werden und wieder Familienbegegnungen geben: Der Korea-Gipfel brachte mehr als erwartet.
Von Jürgen Hanefeld, ARD-Studio Tokio
Mit einem Durchbruch dieser Tragweite hat niemand gerechnet. Als Kim Jong Un schon auf dem Heimweg war, meldete das Nordkoreanische Fernsehen: « Kim Jong Un wird offenherzig mit Präsident Moon Jae In alle Themen ansprechen, die das Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea verbessern und Frieden, Wohlstand und die Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel herbeiführen können. »
In den vergangenen Tagen hatte man schon erfahren, dass die Abschaffung der Atomwaffen ganz oben auf dem Wunschzettel des südkoreanischen Präsidenten steht. Weitere Themen waren nicht genannt worden und wie weit sich Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un gerade bei der Denuklearisierung kompromissbereit zeigen würde, war nicht abzusehen.
– Vollständige nukleare Abrüstung –
Nun heißt es in der « Panmunjom-Erklärung », die beiden Koreas seien sich einig über die vollständige Abrüstung von Atomwaffen: « Heute haben der Vorsitzende Kim und ich bestätigt, dass es unser gemeinsames Ziel ist, eine atomwaffenfreie koreanische Halbinsel durch vollständige nukleare Abrüstung zu erreichen », sagte Moon.
Wie und wann das geschehen soll, ist noch offen. Doch die Präambel der Erklärung lässt hoffen. Die beiden Führer, so heißt es dort, erklären feierlich vor ihrem Volk von 80 Millionen Menschen und der gesamten Welt, dass es auf der koreanischen Halbinsel keinen Krieg mehr geben wird und ein neues Zeitalter des Friedens begonnen hat:
« Heute hatten wir ein historisches Treffen und haben eine wertvolle Übereinkunft erzielt unter den aufmerksamen Augen der ganzen Welt. Wir haben einen neuen Anfang für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel und in der ganzen Welt gesetzt. »
– Friedensvertrag geplant –
Dass dieses neue Zeitalter nicht von heute auf morgen beginnen kann, macht folgender Vorbehalt deutlich: Süd und Nord, so heißt es in der Erklärung, wollen die Reduzierung der Waffen allmählich umsetzen, wenn die militärischen Spannungen beendet sind und Vertrauen geschaffen wurde.
Um den Koreakrieg, der das Land in den 1950er-Jahren verwüstete, auch juristisch zu Ende zu bringen, schlagen die beiden Verhandlungspartner vor, den herrschenden Waffenstillstand durch einen Friedensvertrag zu ersetzen. Dazu bedarf es allerdings der Mitarbeit der USA und Chinas, denn Südkorea ist gar keine Vertragspartei.
– Familien können sich wieder begegnen –
Bemühungen, die militärischen Spannungen abzubauen, sollen auf allen Ebenen unternommen werden, auch auf See und in der Luft. Um darüber genauer zu sprechen, werden bis Ende Mai Militärgespräche zwischen Nord- und Südkorea geführt werden.
Die vor Jahren eingestellten Zusammenkünfte von Familien, die durch die Teilung der beiden Koreas auseinander gerissen wurden, sollen im August wieder aufgenommen werden. Auch die stillgelegte Sonderwirtschaftszone Kaesong bekommt eine neue Chance. Dort soll ein gemeinsames Büro von Nord- und Südkorea seinen Betrieb aufnehmen. Die Bilanz des nordkoreanischen Führers fiel blumig aus: « Wir haben dem eingefrorenen Verhältnis zwischen Nord- und Südkorea Lebewohl gesagt. Das war ein Albtraum, und jetzt verkünden wir der Welt den Beginn eines warmen Frühlings. »
© 2018 tagesschau.de

Drüben in Nordkorea

Heute hat das Treffen zwischen Moon Jae In und Kim Jong Un tatsächlich stattgefunden! Wow!

Dazu eine kleine Sammlung:

Korea vor dem Gipfeltreffen am Freitag

Friedenszeichen an der Front

Auf dem Weg zum Krieg oder zur Einheit? An der innerkoreanischen Grenze erscheint der Konflikt der beiden Länder wie festgefroren.
MYEONGPA-RI/GOSEONG/PANMUNJEOM (taz) – 26.04.2018
Von Fabian Kretschmer
Als die erste Mörsergranate in der Ferne explodiert, gefolgt von einer langanhaltenden Maschinengewehrsalve, verzieht Jang Seok Gwon keine Mine. „Die südkoreanische Armee hat hinter dem Berg einen Schießstand, Militärübungen gehören für uns zum Alltag“, sagt der 64-Jährige stoisch. Herr Jang ist Bürgermeister von Myeongpa Ri, dem nördlichsten Dorf in Südkorea. Nur wenige hundert Meter entfernt schlängelt sich die innerkoreanische Grenze durch die Gebirgszüge an der Küste.
Für Besucher wirkt die verschlafene Ortschaft wie in einem surrealen Spannungsfeld gefangen: Auf der einen Seite die unberührte Natur der entmilitarisierten Zone, in der sich seit fast sieben Jahrzehnten Flora und Fauna ein von menschlicher Hand unberührtes Refugium erschlossen haben. Auf der anderen Seite die regelmäßigen Evakuierungsübungen, die Sperrstunde mit Einsetzen der Dämmerung, die langwierigen Passkontrollen an den Militärcheckpoints. Lire la suite

WINNIE

Winnie
arte.tv 85 Min.
Verfügbar von 06.03.2018 bis 03.05.2018
Ein Film von Pascale Lamche
Die kontoverse Lebensgeschichte von Winnie Madikizela-Mandela, die am 2. April 2018 im Alter von 81 Jahren gestorben ist. Ihr Aufstieg zur Ikone des Befreiungskampfes gegen das südafrikanische Apartheidregime und der tiefe Sturz in den Übergangsjahren nach der Apartheid wird hier zum ersten Mal im geschichtlichen Kontext beleuchtet.
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Newroz-Tag: Kurdisches Neujahrsfest

Foto (c) Kurdische Gemeinde Deutschland (KGD)

Das kurdische Newroz – persisch: Nouruz – gilt als eines der ältesten Feste der Menschheit. Es wird, je nach Sonnenstand, am 20. oder 21. März gefeiert und markiert den Anfang des Frühlings. Seit 2010 gibt einen von den UN anerkannten Internationalen Nouruz-Tag am 21. März. (Siehe UN-Resolution unten)

Für die Kurden, die seit Jahrzehnten um einen eigenen unabhängigen Staat kämpfen, hat Newroz eine ganz besondere Bedeutung. Das Fest entwickelte sich im Laufe der Jahre „zu einer Feier des politischen Widerstandes gegen Unterdrückung und Despotismus“, wie die Kurdische Gemeinde Deutschland auf ihrer Internetseite schreibt.
Mittlerweile symbolisiere das Fest den Zusammenhalt des kurdischen Volkes gegen Unterdrückung und Verfolgung: „Heute ist das Newrozfest ein wichtiger Teil der kurdischen Identität“, heißt es weiter. Die kurdische Bevölkerung, etwa 22 Millionen Menschen, lebt verteilt vor allem im Iran, im Irak, in Syrien und in der Türkei. Die Kurden können ihre Kultur nicht überall frei ausleben.

In diesem Jahr ist das Fest durch die Angriffe der türkischen Armee auf das nordsyrische Afrin besonders politisch aufgeladen. Die Kundgebung in Hannover steht unter dem Motto „Newroz heißt Widerstand – der Widerstand heißt Afrin“.
© 2018 WAZ.de

UN-RESOLUTION 64/253

Verabschiedet auf der 71. Plenarsitzung am 23.
Februar 2010, ohne Abstimmung, auf der Grundlage des Resolutionsentwurfs A/64/L.30/Rev.2 und Add.1,
eingebracht von: Afghanistan, Albanien, Aserbaidschan, ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien, Indien, Iran (Islamische Republik), Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Türkei, Turkmenistan.
64/253. Internationaler Nouruz-Tag
Nouruz (Nowruz, Navruz, Nooruz, Nevruz, Nauryz) bedeutet „neuer Tag“ und wird jährlich am 21. März begangen; die Schreibung und die Aussprache des Namens können je nach Land verschieden sein.

Die Generalversammlung,
in Bekräftigung der Ziele und Grundsätze der Charta der Vereinten Nationen, insbesondere des Ziels, eine internationale Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem, sozialem und
kulturellem Gebiet herbeizuführen,
unter Hinweis auf ihre Resolution 56/6 vom 9. November 2001 über die Globale Agenda für den Dialog zwischen den Kulturen,
sowie unter Hinweis auf die von der Generalkonferenz der Organisation der Vereinten
Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur am 4. November 1966 verabschiedete Erklärung über die Grundsätze der internationalen kulturellen Zusammenarbeit (United Nations Educational, Scientific and Cultural Organization,
Records of the General Conference,
Fourteenth Session, Paris, 1966, Resolutions, Kap. IV, Resolution 8.)
,
in Bekräftigung der von der Generalkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur am 2. November 2001 verabschiedeten Allgemeinen Erklärung zur kulturellen Vielfalt, namentlich des darin enthaltenen Aufrufs zu verstärkter Solidarität auf der Grundlage der Anerkennung der kulturellen Vielfalt, des Bewusstseins um die Einheit der Menschheit und der Entwicklung eines interkulturellen Austauschs,
unter Berücksichtigung des von der Generalkonferenz der Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur am 17. Oktober 2003 verabschiedeten Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes ( United Nations, Treaty Series, Vol. 2368, Nr. 42671. Amtliche deutschsprachige Fassungen: öBGBl. III Nr. 76/2009; AS 2008 4801. ) und in der Erkenntnis, wie wichtig es ist, das immaterielle Kulturerbe, darunter gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene zu erhalten,
in Anbetracht der Interdependenz zwischen dem immateriellen Kulturerbe und dem materiellen Kultur- und Naturerbe,
es begrüßend, dass der Nouruz von der Organisation der Vereinten Nationen für Er-ziehung, Wissenschaft und Kultur am 30. September 2009 in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde,
unter Hinweis auf das am 16. September 2005 auf der Plenartagung der Generalversammlung auf hoher Ebene verabschiedete Ergebnis des Weltgipfels 2005 (Siehe Resolution 60/1.), in dem unter anderem anerkannt wird, dass alle Kulturen und Zivilisationen zur Bereicherung der Menschheit beitragen,
betonend, wie wichtig es ist, die Öffentlichkeit durch Bildung, Medien und kulturelle Aktivitäten zu sensibilisieren, um die für die Festigung des Weltfriedens und die Verwirklichung der internationalen Zusammenarbeit unerlässliche Kenntnis der nationalen Kulturen, des Weltkulturerbes und der kulturellen Vielfalt zu fördern,
erneut erklärend, dass die Errungenschaften der verschiedenen Kulturen das gemeinsame Erbe aller Menschen bilden und für die gesamte Menschheit eine Quelle der Inspiration und des Fortschritts sind,
unter Betonung der Notwendigkeit, ein objektives Verständnis aller Kulturen herbeizuführen und die konstruktive Interaktion und Kooperation zwischen den Kulturen zu fördern,
feststellend, dass der Nouruz, der Tag der Frühlingstagundnachtgleiche, von mehr als 300 Millionen Menschen in der ganzen Welt als Beginn des neuen Jahres begangen und im Balkan, im Kaukasus, im Nahen Osten, im Schwarzmeerbecken, in Zentralasien und in anderen Regionen seit über 3.000 Jahren gefeiert wird,
hervorhebend, wie wichtig Prozesse der gegenseitigen kulturellen Bereicherung sind und dass der Austausch zwischen den Kulturen, der die Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit erleichtert, gefördert werden muss,
eingedenk dessen, dass einer Kultur des harmonischen Zusammenlebens mit der Natur, wie sie bei allen Zivilisationen der heutigen Welt zu finden ist, eine immer größere Bedeutung und Relevanz zukommt,
sowie eingedenk dessen, dass der Nouruz als Ausdruck der Einheit von Kulturerbe und jahrhundertelangen Traditionen eine wichtige Rolle dabei spielt, die Bindungen zwischen den Völkern auf der Grundlage der gegenseitigen Achtung und der Ideale des Friedens und der guten Nachbarschaft zu stärken,
in Anbetracht dessen, dass den Traditionen und Ritualen des Nouruz Merkmale der alten Kulturbräuche der Zivilisationen in Ost und West zugrunde liegen, die diese Zivilisationen durch den Austausch menschlicher Werte geprägt haben,
feststellend, dass der Nouruz auf die Bejahung des Lebens in Eintracht mit der Natur, das Bewusstsein der untrennbaren Verknüpfung zwischen konstruktiver Arbeit und den natürlichen Kreisläufen der Erneuerung und eine fürsorgliche und respektvolle Haltung gegenüber den natürlichen Quellen des Lebens gerichtet ist,
1. erkennt den 21. März als Internationalen Nouruz-Tag an;
2. begrüßt die Anstrengungen der Mitgliedstaaten, in denen der Nouruz begangen wird, zur Bewahrung und Weiterentwicklung der mit ihm verbundenen Kultur und Traditionen;
3. ermutigt die Mitgliedstaaten, sich darum zu bemühen, den Nouruz stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken, und gegebenenfalls jährliche Veranstaltungen zur Begehung dieses Festes zu organisieren;
4. fordert die Mitgliedstaaten, in denen der Nouruz begangen wird, auf, die Ursprünge und Traditionen dieses Festes zu untersuchen, um das Nouruz-Erbe in der internationalen Gemeinschaft bekannt zu machen;
5. bittet die interessierten Mitgliedstaaten, die Vereinten Nationen, insbesondere ihre zuständigen Sonderorganisationen, Fonds und Programme, vor allem die Organisationder Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, und die interessierten internationalen und regionalen Organisationen sowie die nichtstaatlichen Organisationen, an den Veranstaltungen teilzunehmen, die von den Staaten organisiert werden, in denen der Nouruz begangen wird.