Reise im Bus : Bamako – Sikasso

Bamako 18.11.2011 10:20

Der Bus fährt von der gare routière ab, dem Busbahnhof im südlichen Viertel Sogoninko von Bamako, nachdem die verkauften Tickets (5000 FCFA = 8 € für die 375-km-Strecke) minutiös von einem Angestellten der Gesellschaft in Anzugjacke kontrolliert wurden durch Aufrufen der einzelnen Reisenden. 375 km asphaltierte Strasse nach Sikasso* – die wir in 4 – 5 Stunden zurücklegen werden, Pausen und Halte zum Aufnehmen weiterer Passagiere eingerechnet.

Karte der Region Sikasso

Sucht man sich einen Platz rechts oder links? Wenn der Bus nach Süden fährt und die Sonne nach Westen wandert, eher links.
Der Ticketverkäufer fährt noch 20 km mit, dann wird das von einem der « apprentis » übernommen, junge Leute, die sich hier nichts als Sporen verdienen, vielleicht noch das Essen, im Glücksfall 1000 F am Tag. Die das Gepäck ein- und ausladen, Passagiere einweisen, Reifen wechseln. Bei dieser Fahrt war Letzteres mal nicht nötig – ich erinnere mich an eine 400-km-Reise von Nara nach Bamako, auf der sich 6 Reifenpannen ereigneten…

Der Bus: Folona – les bons amis steht draussen drauf und CAR CLIM – VIDEO, was heissen soll klimatisiert. Drinnen ist er wie alle Busse, sehr heiss mit steigendem Sonnenstand. Nix clim – ein bisschen Luft kommt durch die leicht geöffneten Dachluken – nur leicht, weil zur Feststellung eine leere Wasserflasche dient – oder wenn die Mitteltür zum Zusteigen geöffnet wird.
Folona heist die Zone um Sikasso und weiter im Süden, auch ein Gebiet der Côte d’Ivoire einschliessend. Die Verwaltungseinheiten, z.B. die Region Sikasso, wurden unter den Kolonialisatoren eingeführt – man hört hier immer noch den Ausdruck « les colons », mehr als les Français.

Anfangs säumen einzelne Hirsefelder die Strasse, denen man die diesjährige Wasserknappheit ansieht. Später wird es grüner, « la forêt« , aber mit niedrigen Bäumen und viel Strauchwerk. Die häufigste Spezies hier ist der Karité-Baum, aus dessen Früchten Öl und Karitébutter gewonnen wird, das Allerweltsmittel sowohl bei der Couscouszubereitung als auch der Schokoladenfabrikation, als Hautpflegecreme (traditionell und neuerdings in Europa vermarktet) und bei Schnupfen.

Je weiter südlich, desto dichter und höher der Wald und desto verständlicher, dass diese Gegend auch Kénédougou = frisches Land genannt wird – die landwirtschaftlich reichste Malis (auch “le grenier du Mali”, die “Kornkammer” Malis, eher ist hier die wörtliche Übersetzung “der Speicher” angebracht), mit ertragreichen Reis- und Baumwollfeldern, und vor allem Obstanbau. Etwa 90% der in Bamako verkauften Orangen kommen von hier. 2/3 der in Mali produzierten Baumwolle, Hauptexportprodukt des Landes, auch. Die Baumwollernte war gut in diesem Jahr, entgegen den katastrophalen Erträgen bei allen Hirsearten (petit mil, gros mil, Fonio) und den mittelmässigen bei Reis, Mais und Weizen (der in Mali bewässert wächst, in der Region Tombouctou).

Als der Bus in Bougouni, auf halber Strecke, eine Pause einlegt, merke ich, dass es draussen gar nicht so heiss ist, wenn man im Schatten steht, einen deutlichen Luftzug erwischt und 3 Bananen für 100 F  » saba muganna  » verspeist.

Bei jedem Halt, in Dörfern oder an Zollstationen, das gleiche Bild: die VerkäuferInnen stürmen den Bus, mit einigen Exemplaren ihrer Ware in der Hand oder auf dem Kopf: Wasser in Tüten, Saft oder Cola in kleinen Flaschen, meist gekühlt aus eisblockgefüllten Eimern, Obst, Gebackenes, Erdnüsse, harte Eier. So ist der Bushalt eine willkommene Abwechslung für beide Seiten, Reisende und Ansässige.

Weiter geht’s. Jetzt zeigt sich, dass es angeraten ist, auf Reisen immer einen Schal oder ein Halstuch dabei zu haben. Denn einige Kilometer weit geht die Fahrt über eine parallel zur Strasse verlaufende Lateritpiste , da die Teerstrasse gerade ausgebessert wird. Der rote Staub steigt durch alle Ritzen. Moussa hat sich sogar eine Plastiktüte über den Kopf gestülpt – vielleicht ist er ja frisch geduscht gewesen. Das ist jeden Morgen üblich, und mehrfache Wiederholung hilft auch während des Tages, die Hitze besser zu überstehen – Erfahrung nicht nur einer geprüften Europäerin. Darauf muss man eben bei Busreisen verzichten.

Warum der Karité sich hier so verbreiten konnte: man erzählt sich, dass früher die Fetische gesagt haben si tu coupes seulement l’arbre, il va te tuer, also der gute Rat und gleichzeitig die Todesdrohung der Geister, diese Bäume zu schlagen.

Rundhütten aus Banco-Ziegeln mit spitzen Kegeldächern aus Stroh, die mit kleinerem Durchmesser sind Speicher, machen den Grossteil der durchfahrenen Dörfer aus. Dazwischen eckige Häuser, ebenfalls aus Banco, mit Wellblechdächern. Die sind weit teurer aber auch wesentlich haltbarer (Jahrzehnte), aber es ist dort auch heisser als unter der traditionellen Bauweise. Es heisst, hier traut sich keiner, wenn er auch noch so reich ist, eine Villa zu errichten, das wäre bei den anderen Dorfbewohnern schlecht angesehen, als ob man sich über sie lustig machen wollte.
Überhaupt sollen die Bambara wenig reisen und sehr den Traditionen verhaftet sein – im Gegensatz zu den Sarakollé, die in der Region Kayes wohnen und schon immer viel herumgekommen sind – wie Bathily. Man wird es an der Bauweise sehen, sagt er. Ich bin gespannt.

Kurz vor Sikasso passieren wir eine Hochspannungsleitung, die aus der Elfenbeinküste kommt und hydraulisch erzeugten Strom bis nach Niono im Nordwesten (da wo neulich der Gegengipfel zu G20 stattfand) transportiert. Der Staudamm von Markala, der dort in der Nähe liegt, erzeugt keinen Strom, sondern liefert Wasser zur Bewässerung der Reisfelder. Stromerzeugung, nachhaltige, das ist ein anderes Kapitel.

Ankunft 16:30, zugegebenermassen ein bisschen ausgelaugt. Jetzt gönne ich mir erstmal den Luxus einer Dusche.

*) Lest mehr über Stadt und Region Sikasso (empfohlen für Sprachkundige: die französische Version, die viel mehr Informationen enthält:
Ville de sikasso
Région de Sikasso)

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