DAS LABYRINTH DER WÖRTER

Reise in das Buch DAS LABYRINTH DER WÖRTER

Um es gleich zu sagen: ich finde dieses Buch der Französin Marie-Sabine Roger, das von zwei grundverschiedenen Menschen erzählt, die aber bald ein Herz und eine Seele werden, so schön, dass ich einige Passagen daraus wörtlich zitieren werde – und es bestimmt nochmal lese. Auf französisch – die Übersetzung ist hervorragend, aber sicher darum hab ich mich beim Lesen immer gefragt, wie die Autorin das wohl im Original ausgedrückt hat.
Meine liebe Schwester schenkte es mir zufällig (?) zum Geburtstag, und dann hab ich dafür nur zwei Nächte gebraucht.

Dass er Margueritte getroffen hat, hat Germains Leben verändert. Zuerst fand er sie nur witzig, die kleine Alte, die wie er im Park Tauben zählte und erstaunt war, dass er ihnen Namen gab. Wie Kindern – die er nicht hatte. Am Ende kann er sich gut vorstellen, dass er seiner Annette welche macht, und wie glücklich sie sein werden.

Vorerst beginnt er Margueritte kennen zu lernen, und mit ihr ihr Faible für Bücher und nachdenkliche Gespräche. Germain, der nichts von Büchern hält, nur weil Lesen nicht « sein Ding » ist und er meist als Analphabet eingeordnet wurde, « ein Wort, das höflich ausdrückt, was man über mich dachte, nämlich dass ich doof war ». Die kleine Alte sieht das anders und will ihn für die Welt der Bücher gewinnen, Schritt für Schritt, vorlesend, ihn in ihren Bann ziehend.

« Am Anfang fand ich Margueritte witzig. Auch irgendwie lehrreich, in Bezug auf unsere Gespräche. Und Stück für Stück hab ich sie dann lieb gewonnen, sozusagen schleichend.
Zuneigung ist etwas, das im Verborgenen wächst. Sie schlägt einfach Wurzeln und wuchert dann schlimmer als Quecken. Wenn es erstmal so weit ist, ist alles zu spät. Das Herz kann man schließlich nicht mit Unkrautfrei behandeln, um die Zärtlichkeit darin auszurotten. »

Sie liest ihm DIE PEST vor, in Auszügen, und schenkt ihm dann das Buch, in dem sie die vorgelesenen Passagen angestrichen hat. Germain schafft es, sie nachzulesen, noch mit viel Mühe.

« Ich denke über dieses Wort nach, unkultiviert – unbebaut, siehe: brachliegend. und an den Zusammenhang, den es zwischen der Kultur der Bücher und der Bodenkultur gibt…..
Wenn man unkultiviert ist, heißt das nicht, dass man nicht kultivierbar ist. Man muss nur an einen guten Gärtner geraten. »

Und Germain hatte einfach großes Pech mit seinem Lehrer, der ihm nur Steine in den Weg legte, so dass er schließlich kaum noch zur Schule ging. Jetzt merkt er, wie es ihm erst kompliziert, dann interessant vorkommt, sich Wissen anzueignen. « Und dann unheimlich, denn mit dem Nachdenken anzufangen ist etwa so, als wenn man einem Kurzsichtigen eine Brille gibt….plötzlich sieht man die Risse. »
Um einiges schlauer macht ihn sein Wörterbuch, auch ein Geschenk von Margueritte. Bei jedem schwierigen Wort, auf das er jetzt stößt oder dass er in der Erzählung benutzt, schlägt er nach und schreibt die Bedeutung dahinter, « siehe… » – so dass man seine Fortschritte auch als Leser gut nachvollziehen kann.
Wozu sind Wörterbücher gut? Laut Margueritte: « ‘Sie dienen vor allem dazu, zu REISEN. Stellen sie Sich vor, Sie suchen ein Wort, das Sie schwierig finden.’ Das war nicht schwierig vorzustellen.
‘… und da sehen Sie neben seiner Definition den Buchstaben S., gefolgt von einem oder mehreren anderen Wörtern. Dieses S. bedeutet ‘Siehe’, aber es könnte auch ‘Suche nach neuen Welten‘ heißen. Es wird Sie zwingen,….nach neuen Wörtern zu suchen, die Sie ihrerseits weiter auf die Reise schicken werden, hinter anderen Wörtern her…’
‘Ein Wörterbuch ist ein großartiges Labyrinth, in dem man sich voller Glück verirrt.' »

Wie sie Germain hilft, sich im Wörterbuch zurecht zu finden, das soll der Leser selbst erlesen.

Er glaubt langsam zu verstehen, dass alles, was passiert, eine Lehre sein kann, auch das Komplizierte, die Probleme.
« Wenn immer alles einfach wäre, gäbe es dann überhaupt noch Glück? Es muss entweder wie ein Geschenk vom Himmel fallen oder hart erarbeitet werden… denn sonst wäre ja der ganze Reiz weg. »

Germain, der gern Holzfiguren schnitzt, schenkt Margueritte einen selbstgeschnitzten Stock mit Taubenkopf, als klar wird, dass sie bald nicht mehr gut sehen und auch nicht mehr lesen kann. Was ihm sonst noch dazu einfällt…Lesen Sie selbst!

Der Titel des französischen Originals lautet La tête en friche – Brachland im Kopf, erschien 2008 und wurde mit Gérard Depardieu und Gisèle Casadesus verfilmt. Die deutsche Verfilmung trägt den Titel Nachmittage mit Margueritte. Ich habe es lieber nochmal gelesen.

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