ORANIENPLATZ in Kreuzberg – was ist Heimat?

Village de Lampedusa – Berlin
Deutsche Welle – 10.10.2013
Par Naomi Conrad / Philippe Pognan
La mort de centaines de migrants la semaine dernière près du rivage de l’île de Lampedusa a ému l’opinion publique en Italie, en Europe et dans le reste du monde. A Berlin, des réfugiés sont en deuil.
Campement de réfugiés sur la place +Oranienplatz+ à Berlin-Kreuzberg
Foto (c) dpa/DW: Campement de réfugiés sur la place « Oranienplatz » à Berlin-Kreuzberg

En Allemagne, le débat sur le droit d’asile est relancé et plusieurs organisations humanitaires revendiquent des réformes, telles que la suppression de l’interdiction de travailler pour les demandeurs d’asile sur le sol allemand, et de l’interdiction de se déplacer librement hors de leur lieu de résidence. Les ONG demandent aussi l’amélioration des conditions de séjour des migrants et la suppression des centres d’accueil de masse où des centaines d’ immigrés venus de divers pays vivent souvent sur un espace étroit. Des revendications exprimées aussi par des demandeurs d’asile eux-mêmes.

« Village de Lampedusa – Berlin »
C’est ce que l’on peut lire sur une grande bannière à l’entrée d’un petit groupe de tentes dans le centre du quartier populaire de Berlin- Kreuzberg. Ici vivent depuis un an des réfugiés venus de différents pays et qui protestent contre les conditions d’asile en Allemagne. Sur le toit des tentes grises sèche du linge, une tente où s’amoncelle la vaisselle sale sert de cuisine, quelques hommes s’abritent de la pluie sous un arbre. Plusieurs d’entre eux sont arrivés en Europe en faisant la grande traversée d’Afrique vers les côtes méditerranéennes de l’Europe du sud. Plus d’un a perdu un ami, un parent ou un enfant qui s’était embarqué sur une barque de fortune.
Youssef et Bashir, deux des réfugiés protestataires,+Oranienplatz+ à Berlin-Kreuzberg
Foto (c) DW/dpa: Youssef et Bashir, deux des réfugiés protestataires

C’est par exemple le cas de Bashir qui s’était embarqué en Libye avec ses deux enfants sur un vieux navire à destination de l’Europe. Le vétuste bateau a sombré , Bashir a été sauvé, mais il a perdu ses enfants dans le naufrage le 27 mai 2011. Il n’oubliera jamais cette date.
Youssef espère pouvoir un jour travailler et vivre mieux
Foto (c) dpa/DW:Youssef espère pouvoir un jour travailler et vivre mieux

Le Ghanéen Johnson Ofore vient de perdre un frère, c’est son père qui lui appris la nouvelle par téléphone. Le jour où son jeune frère Mati Ofore est monté sur la côte libyenne à bord d’une embarcation surchargée en direction de l’Europe, Johnson n’avait pas pu joindre son frère pour essayer encore une fois de le persuader de rester en Libye. Il lui disait toujours: « En Libye si tu trouves du boulot, c’est bon, tu ne paies pas d’impôts, pas de loyer, et si t’as de l’argent, la Libye c’est bon… »
Johnson Ofore est inconsolable, il n’oubliera jamais le moment où il a appris la terrible nouvelle : « Ce jour là, je n’ai pas dormi. J’ai pleuré tout la nuit, pleuré, pleuré, pleuré . »
De sa tente, Johnson, sort quelques photos, celle de sa soeur qui vit au Ghana, mais il n’a pas de photo de Mati ni de ses trois jeunes enfants, ses neveux. Son frère les avait laissés au Ghana et comptait, une fois en Europe, leur envoyer de quoi vivre. Johnson avait à plusieurs reprises supplié son frère Mati de ne pas tenter la traversée, surtout à l’automne ou en hiver : « Octobre, Novembre, Décembre, c’est pas bon pour le bateau.J’ai dit : n’essaie pas, n’essaie pas, c’est trop dangereux ! »
Mati Ofore ne l’a pas écouté. Mati est l’une des plus de 300 personnes dont l’embarcation surchargée a coulé le 3 octobre à quelques encablures seulement des côtes qui représentaient pour elles l’espoir d’une nouvelle vie, loin de la misère, de l’insécurité ou de la guerre.
© 2013 DW.DE

Bruder eines Lampedusa-Opfers über Flucht
„Nein, geh nicht!“

Berlin ( taz ) – 08.10.2013
Von Konrad Litschko
2011 kam der Ghanaer Johnson Takyi auf Lampedusa an, heute lebt er in Berlin. Obwohl er seinem Bruder abriet, wollte der ihm folgen – und ertrank.

Foto (c) taz/Wolfgang Borrs Johnson Takyi im Camp auf dem Berliner Oranienplatz.

Ein kleines Zelt auf dem Kreuzberger Oranienplatz, darin zwei Betten. Auf einem sitzt Johnson Takyi, er trägt eine graue Strickjacke, seine Füße ruhen nur in Socken auf einem kleinen Teppich, die Schuhe stehen vorm Zelt. Ein kleiner Fernseher läuft, tonlos. Seit sechs Monaten ist der 43-jährige Ghanaer Teil des seit einem Jahr währenden Flüchtlingsprotestcamps in Kreuzberg, mitten in Berlin.
Am Wochenende hat Takyi erfahren, dass sein jüngerer, 32-jähriger Bruder Matin unter den mehr als 300 Toten des vor Lampedusa gesunkenen Flüchtlingsschiffs war. Takyi erzählt davon langsam und gedämpft, er knetet ein Kissen auf seinem Schoss. Seine Augen füllen sich immer wieder mit Tränen. Takyis Englisch ist schlecht, Zeltmitbewohner Abdullah und eine deutsche Helferin übersetzen.
Herr Takyi, wie haben Sie von dem Unglück in Lampedusa erfahren?

Johnson Takyi: Ich habe es auf Al-Dschasira gesehen, auf meinem Fernseher hier. Die Nachricht tat mir sehr weh. Ich habe sofort daran gedacht, wie ich selbst vor zwei Jahren nach Lampedusa geflohen bin.
Wussten Sie, dass Ihr Bruder auf dem verunglückten Boot war?
Nein. Ich wusste, dass mein Bruder in Libyen ist. Er hat dort anderthalb Jahre als Bauarbeiter gearbeitet, um seine Frau und die zwei Kinder in Ghana zu ernähren. Wir hatten noch vor zwei Wochen telefoniert. Schon zuvor hatte er mir gesagt, dass er nach Europa will. Ich habe ihm immer wieder geantwortet: Nein, geh nicht! Europa ist nicht das Paradies, wie alle denken. Menschen wie wir bekommen keine Jobs, müssen auf der Straße schlafen. Das ist kein Leben, wir leiden. In Libyen gibt es wenigstens Arbeit, der Dinar ist gut. Es ist besser als in Europa.
Ihr Bruder ist dennoch gegangen und ertrunken.
Am Samstag hat mich mein Vater aus Berekum angerufen und gesagt: Dein Bruder ist tot, er ist auf einem Schiff nach Europa ertrunken. Ich habe gesagt, von wem sprichst du? Er sagte, dein Bruder Matin. Aber ich wollte es nicht glauben. Ich hatte doch gesagt, er soll nicht gehen! Ich glaube, deshalb hat er mir nichts von der Fahrt erzählt.
Was haben Sie nach der Nachricht Ihres Vaters gemacht?
Ich war geschockt. Dann bin ich in die Kirche gefahren und habe zu Gott gebetet, dass er Matin zu sich nimmt.
Wie hatte Ihr Vater von dem Tod erfahren?
Auf dem Boot waren andere Ghanaer, die Matin kannten. Sie haben ihn identifiziert, in seinen Sachen wurden auch Papiere gefunden. Matin gehörte zu den Toten, die gefunden wurden. Ich verstehe nicht, warum das Boot jetzt im Oktober noch gefahren ist! Normalerweise gehen sie im April, Mai, Juni, wenn das Wetter ruhiger ist, nicht mehr jetzt.
Wissen Sie, wo Ihr verstorbener Bruder nun begraben wird?
Meine Familie wird eine Gedenkfeier in Berekum machen, aber sein Körper wird wohl in Italien begraben.
Sie selbst sind vor zwei Jahren auf einem Schiff von Libyen nach Lampedusa geflohen. Warum?
Ich bin schon vor sechs Jahren von Ghana nach Libyen gegangen, um dort zu arbeiten. Ich bin Zimmermann. Aber 2011 kam der Krieg gegen Gaddafi. Wir fremden Arbeiter sind da zwischen die Fronten geraten. Die Rebellen dachten, wir sind Söldner von Gaddafi. Ich wurde von Soldaten angeschossen, am Bein. Auf wessen Seite sie kämpften, weiß ich nicht. Ich kam ins Krankenhaus und in einer Nacht wurde ich plötzlich von Soldaten abgeholt und auf ein Boot gebracht.
Sie wussten nicht, wohin es geht?
Nein. Es war mitten in der Nacht, zwischen 3 und 4 Uhr.
Mussten Sie etwas für die Überfahrt bezahlen?
Nein. Ich wurde ja gezwungen mitzufahren, ich wollte ja gar nicht nach Europa, schon wegen meines Beins nicht.
Ihr Schiff schaffte es nach Lampedusa.
Es war ein kleines Boot, aber es war nicht so überfüllt wie normal. Wenn in Libyen Flüchtlinge auf ein Boot gehen, verdoppeln die Schiffsleute die Zahl: Ist das Boot für 150 Passagiere, holen sie 300 Leute an Bord. Auf meinem Boot waren wir 104 Menschen, die italienischen Behörden hatten nachgezählt.
Können Sie schwimmen?
Nein. Soweit ich weiß, konnte mein Bruder auch nicht schwimmen.
Wie ist es damals für Sie weitergegangen in Italien? Ich wurde nach Fondi gebracht, eine Stadt in Mittelitalien, und bin dort wegen meines Beins ins Krankenhaus gekommen. Später habe ich ein Aufenthaltspapier bekommen, aus humanitären Gründen, gültig für ein Jahr und acht Monate.
Warum sind Sie nach Deutschland gekommen?
Ich hatte zwar das Papier, aber es gab nirgends Arbeit. Die Italiener haben mir 500 Euro gegeben und gesagt, ich könne woanders hingehen. Ich hatte gehört, dass es in Deutschland besser ist, also bin ich nach Berlin gefahren.
Seit sechs Monaten sind Sie Teil des Flüchtlingsprotestcamps in Kreuzberg. Wie kam das?
Ich bin anfangs durch Berlin gelaufen und wusste gar nicht, wohin ich gehen soll. Dann habe ich Schwarze getroffen, die mir von dem Camp erzählt haben, und bin hierher.
Was ist nun Ihre Forderung, Ihr Wunsch?
Ich will eine Arbeit finden, Geld verdienen, mehr nicht. Ich habe von Mai bis August für eine Umzugsfirma in Berlin gearbeitet. Immer hieß es, das Geld kommt morgen. Aber ich habe bis heute kein Geld bekommen.
Nach Ghana wollen Sie nicht zurück?
Nein. Ich brauche erst Geld. Ich habe meine Familie in Ghana, noch vier Brüder und zwei Schwestern. Sie brauchen Unterstützung.
Wissen Sie, ob Ihre Geschwister nach Europa wollen?
Ich kann nur beten, dass sie es nicht tun.
© 2013 taz

=> Kommentar: EU-Flüchtlingspolitik – Ein Armutszeugnis
DW – 08.10.2013

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