Der Deutsche Medienpreis Entwicklungspolitik 2013 und ein Interview mit der Preisträgerin Wade C.L. Williams

Der Deutsche Medienpreis Entwicklungspolitik würdigt herausragende journalistische Arbeiten zum Thema Menschenrechte und Entwicklung. Dabei sollen Erfolgsgeschichten ebenso thematisiert werden wie Missstände und Konfliktsituationen.DW-BMZ Dt.Medienpreis Entwicklungspolitik
In diesem Jahr wurde er erstmals auch international vergeben. Der Sonderpreis des Publikums für afrikanische Pressefotografen ging an den Nigerianer Oluyinka Ezekiel Adeparusi. Sein Foto zeigt Kinder im schwimmenden Slum von Makoko, die ihren Schulweg in einem Boot zurücklegen. Es trägt den Titel: Wo es einen Willen gibt, da gibt es auch Bildung. (s.u. auf dieser Seite)

Auch Wade C.L. Williams wurde 2013 ausgezeichnet. Vor allem für ihre journalistische Leistung, die Balance zwischen persönlicher Empathie und klarer, analytischer Distanz zu halten, wurde sie gelobt.
Angesprochen auf ihr Selbstverständnis als Journalistin sagte Williams: « Als Journalist hast du einen Stift, ein Stift kann denen eine Stimme geben, die sie brauchen. »
DW.DE 15.08.13

=> Fast alle Beiträge von Preisträgern und Finalisten sind auf der facebook-Seite German Development Media Awards zu finden.
=> Eine eindrucksvolle Auswahl der Finalistenphotos für den Publikumspreis sehen sie HIER.

Lesen Sie hier ein Interview jüngeren Datums mit der Gewinnerin für Afrika, Wade C.L. Williams.

Liberia: « Als Frau muss man kämpfen, um ernst genommen zu werden »
Deutsche Welle – 14.02.2014
Autorin: Nadine Wojcik
Mit Ellen Johnson Sirleaf ist erstmalig eine Frau Präsidentin von Liberia. Doch an der harten Lebensrealität liberianischer Frauen hat das nichts geändert – das zeigt ein preisgekürter Bericht von Wade C.L. Williams.
_by Glenna Gordon

Foto (c) DW/Glenna Gordon: Wade C.L.Williams bei der Arbeit

Alle Bilder lassen sich durch KLICK aufs Bild vergrößern

Die Liberianerin ist eine erfolgreiche Journalistin in ihrem Land – eine Seltenheit in einer Branche, die Frauen häufig verschlossen bleibt und nicht selten gefährlich ist. Die investigative Reporterin Wade C.L. Williams ist Ressortleiterin bei FrontPage Africa, einer Zeitung und Internetseite mit Sitz in der Hauptstadt Monrovia. Williams Leidenschaft und Courage wurden mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt. Ihre Arbeiten wurden unter anderem in der britischen Tageszeitung « The Guardian » veröffentlicht.
Wade C.L. Williams wurde 2013 mit dem Deutschen Medienpreis Entwicklungspolitik ausgezeichnet. Ihr prämierter Beitrag beschreibt die bittere Armut, in der viele Frauen und Mädchen in Liberia leben müssen. Und das obwohl das Land von einer Präsidentin geführt wird, die mit dem Versprechen angetreten ist, das Leben von Frauen zu verbessern. « Still a hard life » erzählt von Mercy Womeh, einer jungen Frau, die ihr Schulgeld mit dem Klopfen von Steinen verdient – einer der wenigen Einkommensmöglichkeiten in einem Land mit einer Arbeitslosenrate von rund 85 Prozent.
Wieso haben Sie sich entscheiden, über dieses Thema zu berichten?
Wade C.L. Williams: Ich bin auf die extreme Armut aufmerksam geworden, als ich über die Situation von Frauen in Liberia recherchierte. Die Ausdauer und Belastbarkeit dieser Frauen hat mich sehr überrascht – und auch dass sie nicht auf Hilfe vom Staat warten, sondern ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen und es irgendwie schaffen, Geld zu verdienen. Das hat mich sehr beeindruckt und mich motiviert, diese Lebensgeschichten zu erzählen.
Für ihr Schulgeld arbeitet Mercy Womeh in einem Steinbruch

Foto (c) Wade C.L.Williams: Für ihr Schulgeld arbeitet Mercy Womeh in einem Steinbruch

Wie waren die Reaktionen auf Ihren Bericht in Liberia?
Die Leute waren schockiert, welche schwierigen Arbeiten eine junge Frau wie Mercy auf sich nimmt, um ihre Familie zu unterstützen. Dabei ist ihre Geschichte eine von vielen. Und dass, obwohl wir mittlerweile eine Frau als Präsidentin haben. Mercy arbeitet weiterhin in einem Steinbruch, um ihre Schulbildung zu finanzieren. Aber mein Bericht hat ihr ein wenig geholfen, da einige Leute daraufhin Spenden für sie gesammelt haben.
Wie schätzen Sie die Stellung der Frau in der Medienbranche in Liberia ein?
Die liberianische Gesellschaft ist von Männern dominiert – auch im Mediensektor. Als Frau muss man kämpfen, um ernst genommen zu werden. Auch sexuelle Belästigung ist ein ständiges Thema – männliche Kollegen oder Interviewpartner gehen häufig davon aus, dass man auch mit ihnen schläft.
Auf der Rangliste der Pressefreiheit, erstellt von Reporter ohne Grenzen, steht Liberia auf Platz 97 von 179. Wie schätzen Sie die Arbeitsbedingungen für Journalisten in Ihrem Land ein?
Beklagenswert. Reporter sind unterbezahlt und verfügen selten über das nötige professionelle Equipment, um adäquat zu berichten. Was die Pressefreiheit angeht, so haben sich die Arbeitsbedingungen für Journalisten aus meiner Sicht verbessert. Es gibt zwar ein gewisses Misstrauen zwischen der Regierung und den Medien, aber generell kann man schon sagen, dass kritische Berichterstattung keine lebensbedrohlichen Konsequenzen hat. Allerdings ist es nicht unüblich, dass Staatsbeamtete einem Verleumdung oder Beleidigung vorwerfen. In letzter Zeit gab es viele Verleumdungsklagen gegen Journalisten, obwohl es gar kein entsprechendes Gesetz gibt, gegen das man verstoßen haben könnte.Wade C.L. Williams_by Thomas Ecke
Was bedeutet Ihnen eine Auszeichnung wie der Deutsche Medienpreis Entwicklungspolitik?
Das bedeutet mir sehr viel. Die Auszeichnung motiviert mich, weiter zu machen. Und der Preis bedeutet eine enorme Wertschätzung meiner Arbeit. In Liberia hat es dazu beigetragen, dass meine Arbeit ernster genommen wird.
Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?
Ich möchte weiterhin als Journalistin in Liberia arbeiten – allerdings würde ich mich gerne weiterentwickeln. Mein Traum wäre es, mithilfe eines Stipendiums im Ausland zu studieren. Und anschließend in mein Land zurückzukehren und ein eigenes Medienunternehmen gründen, in dem die besten Reporter Frauen wären.
© 2014 DW.DE

Der Deutsche Medienpreis Entwicklungspolitik trägt der engen Verbindung von Menschenrechten und Entwicklung Rechnung und nimmt die von Diskriminierung besonders betroffenen Gruppen in den Fokus, z.B. extrem Arme, Frauen, ethnische Minderheiten oder Menschen mit Behinderungen.
A schoolgirl participates in a lesson in Kilifi, approximately 50 kilomtres north-east of
A schoolgirl participates in a lesson in Kilifi, approximately 50 kilomtres north-east of Mombasa on June 23, 2010, where an initiative called ‘Moving the Goalspost’, MTG, has sponsored female students from the Kilifi district where drop-out rates due to early marriages, teen pregnancy and a traditional bias towards educating male siblings over female, are high. Using the sport of football to recruit pre and teen-aged girls out of school, MTG has managed to maintain hundreds of girls in school whom it also recruits into its all-female soccer teams to compete at district level tournaments that has been popularly embraced by the local community and changed perceptions on the value of the girl-child. Current estimates by UNICEF place the number of out-of-school children at 93 million the majority of these being girls, and almost 80 per cent of them live in sub-Saharan Africa and South Asia. PHOTO (c) AFP / Tony KARUMBA / Getty Images
Aus: DW.DE Menschenrechte – unteilbar und universell

Gewinnerbeitrag Sonderpreis des Publikums für afrikanische Pressefotografen_Schulkinder in Makoko, Lagos
Where there is will, there is education
Foto (c) Oluyinka Ezekiel Adeparusi: These school children are about to paddle home in Makoko, a slum built on stilts over Lagos Lagoon.

Education has been described as the greatest weapon to fight poverty. But in this floating slum, the poorest settlement in Nigeria, many children have little hope of going to school. These here are the lucky ones.
© 2014 Deutsche Welle

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