Besuch bei Dong Eun und des Nationalmuseums

Samstag, 26.07.
Reis, Suppe,Gemüse
Frühstück besteht (fast immer) aus Reis, Suppe und den vielen eingelegten Gemüsesorten, die in dem, nee, einem der drei Riesenkühlschränke aufbewahrt werden. Fisch oder Fleisch auch, frisch zubereitet, in kleinen Portionen. Auch wenn man die Beilagen, die in großer Menge vorbereitet werden, immer aus dem Kühlschrank servieren kann, so verbringt eine nicht berufstätige Frau wie meine Schwägerin doch sehr viel Zeit in der Küche. Ältere Männer kümmern sich nie darum, jüngere werden, wenn sie sich mal dahin verirren – hab ich einmal erlebt -, hinauskomplimentiert .

Heute sind wir bei meinem Neffen Dong-Eun und seiner Frau Soo-Young eingeladen, zum reichhaltigen Essen und Besuch des Nationalmuseums. Die beiden Söhne, Chi Hun und Chi Woo, sind 10 und 8, koreanisches Alter, geboren ist Chi Hun 2005, als ich in Mali war, ich erinnere mich, dass ich sie angerufen habe) – sie sind in der 3. bzw. 1. Klasse. Kein PC zu Hause, aber eine umfangreiche Playstation-Bibliothek.
Ausflug, riesiges Gebäude, im Zentrum ein offenes Auditorium, wo gerade ein Konzert stattfindet. Am Dienstag eröffnet eine neue Sonderausstellung, The Ideal Landscape, die Soo Young (mit) vorbereitet hat. Danach soll sie mehr Zeit haben.

In der alten Abteilung könnte man einen ganzen Tag verbringen. Max macht Unmengen von Aufnahmen, man könnte einen Katalog füllen.

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Dieser – heilende – Buddha aus der Syllazeit soll sogar von Ignoranz befreien können.
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Spaziergang im Museumspark. Kinderspielplätze gibt es auch hier, wie an vielen Plätzen und auch zwischen den Hochhäusern. Ob sie spannend sind, kann ich nicht beurteilen. Ich sowieso nicht, und zum Beobachten bleibt nicht genug Zeit.
Nach Auskunft von Dong-Eun arbeitet man in Korea 5 oder 6 tage die Woche und hat vielleicht 1 Woche Urlaub im Jahr. Vor ein paar Jahren hat er in dieser Woche einen Europatrip gemacht mit knapp 3 Tagen Deutschland. Kein Wunder, dass er sich da nicht bei den Verwandten gemeldet hat. Ob so ein Leben glücklich macht? Man müsste sich länger sprechen können, um dieser Frage näher zu kommen.
Abends Telefon nach Mali, ne togoma (meine kleine Namensgleiche) ist 1 Jahr alt. Natürlich liebt sie das Telefon, wie alle Kinder. Spielzeug…ist alles oder nichts.

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Une réflexion au sujet de « Besuch bei Dong Eun und des Nationalmuseums »

  1. Keine Zeit zum Leben

    Die junge Generation in Südkorea steht ständig unter Leistungsdruck. Nur wenige gründen eine Familie. Wann auch – bei 70 Arbeitsstunden pro Woche?
    Seoul (taz) – 24.10.2014
    Von Fabian Kretschmer
    Wie eine Ameisenstraße zieht sich der Menschenstrom Hunderte Meter vom U-Bahnhof die Straße entlang: Mittzwanziger, die mit hängenden Schultern und zerknitterten Gesichtern an grauen Apartmentblocks vorbeischlurfen. Ihr Ziel ist eine Oberschule am nördlichen Stadtrand von Seoul, die wie 80 weitere Schulgebäude an diesem Sonntagmorgen ihre Pforten öffnet. Für viele junge Menschen des Landes wird sich dort in den nächsten zweieinhalb Stunden ihre Zukunft entscheiden.

    „Sollte ich keinen Job bekommen, kann ich ja immer noch ein Praktikum machen“, sagt Oh Ye-ji, als versuche sie ihre Nervosität herunterzuspielen. Gewappnet mit Dosenkaffee und iPad, durchschreitet die 24-Jährige den Pausenhof, vorbei an Männern in schwarzen Anzügen und Krawatten, die das Geschehen überwachen.

    Eigentlich könnte die Koreanerin zuversichtlich sein, schließlich hat sie vor Kurzem erst ein Wirtschaftsstudium an einer der renommiertesten Unis des Landes abgeschlossen. Doch 15 Bewerbungsverfahren später ist ihr Selbstbewusstsein angekratzt, und der Kredit für die Studiengebühren sitzt ihr im Nacken. 7.000 Euro hat Oh Ye-ji pro Jahr für ihr Studium bezahlt. Vier Jahre war sie an der Uni.

    Die Prüfung bei Samsung, bei der von 200.000 Uni-Absolventen nur jeder vierzigste durchkommt, ist die zweitwichtigste im Leben vieler junger Südkoreaner, vor ihr rangiert nur die Aufnahmeprüfung an der Uni. Im letzten Jahr gaben südkoreanische Eltern für ihre Kinder 14 Milliarden Euro für Nachhilfe aus, um sich auf den Uni-Aufnahmetest vorzubereiten.
    Samsung, Stolz des Landes

    Trotz dieser Kosten bestreiten 80 Prozent eines Jahrgangs ein Studium – so viel wie in keinem anderen entwickelten Land der Welt. Das hat auch damit zu tun, dass es kaum mittelständische Betriebe gibt, die die Jugend ausbilden könnte. Südkoreas Wirtschaft steht und fällt mit seinen Konglomeraten. Allein Samsungs Umsatz macht ein knappes Viertel des gesamten Bruttoinlandsprodukts des Landes aus, zudem ist das Unternehmen für ein Drittel aller Exporte verantwortlich. Deshalb gilt ein Vertrag beim größten Konglomerat des Landes in Südkorea immer noch als Ritterschlag, schließlich symbolisiert das Unternehmen den neugewonnenen Stolz einer jahrzehntelang gebeutelten Nation.

    Doch für eines der großen Unternehmen zu arbeiten, bleibt für das Gros der Jugend ein unerreichbarer Traum, denn die größten 30 Unternehmen beschäftigen gerade einmal 6,8 Prozent der gesamten Arbeitskräfte des Landes. Die Jugendarbeitslosigkeit ist in Südkorea so hoch wie seit den 1980ern nicht mehr. Acht Prozent mögen im europäischen Vergleich moderat klingen, doch für ein Land mit rudimentär entwickeltem Sozialstaat, in dem die Kinder nach konfuzianischer Tradition für das Wohlergehen ihrer Eltern verantwortlich sind, ist diese Zahl alarmierend. Zudem trügt die offizielle Statistik: Sie ignoriert eine wachsende Gruppe junger Leute, die sich von der aktiven Arbeitssuche verabschiedet hat. Tatsächlich dürfte die Zahl der unter 30-Jährigen ohne festes Einkommen bei mehr als 20 Prozent liegen. Auf Hilfe vom Staat dürfen sie nicht hoffen, und Nebenjobs reichen in der Hauptstadt Seoul längst nicht zum Leben.
    Keine Beziehung, keine Kinder

    Vor drei Jahren hat eine südkoreanische Tageszeitung der heutigen Generation ihren Namen gegeben: Sampo, was sich in etwa mit „drei Verluste“ übersetzen lässt. Immer mehr junge Koreaner geben jegliche Hoffnung auf, einen Lebenspartner zu finden, jemals zu heiraten, geschweige denn Kinder zu bekommen – nicht aus dem Wunsch nach alternativen Lebensentwürfen oder Rebellion gegen die statusversessene Gesellschaft heraus. Nein, der Kampf um einen festen Arbeitsplatz frisst all ihr Geld – und die gesamte Freizeit.

    Am deutlichsten zeigt sich diese Entwicklung in der Geburtenrate, bei der Südkorea von weltweit 224 Staaten an fünftletzter Stelle steht. In Seoul bekommt eine Frau statistisch gesehen nur 0,97 Kinder und ist dabei mehr als 32 Jahre alt.

    Laut Umfragen der großen Heiratsagenturen steht für Südkoreanerinnen bei der Partnersuche längst nicht mehr der Charakter an erster Stelle, sondern die finanzielle Potenz. Und das aus gutem Grund: Bevor die Eltern ihre Erlaubnis zur Heirat erteilen, müssen die Männer der Tradition entsprechend eine Wohnung kaufen, die Frauen die Einrichtung besorgen. Und sobald die Eltern in Pension gehen, gebietet es die Tradition, sich um ihr Wohl zu kümmern – auch finanziell, denn das staatliche Rentensystem steckt noch in den Kinderschuhen. Um diese Last abzufedern, arbeiten Südkoreaner im Schnitt bis zum 70. Lebensjahr, also ein Jahrzehnt länger als das staatlich vorgeschriebene Renteneintrittsalter.
    Südkoreas Aufstieg

    In einem halben Jahrhundert schuftete sich das Land am Han-Fluss von einem der ärmsten Länder der Welt zur elftgrößten Volkswirtschaft. Noch heute ist nahezu jeder Bereich der Gesellschaft dem Wirtschaftswachstum untergeordnet, für die schwachen Glieder in der Kette bleibt kein Platz. Doch wie schaut es aus auf der Gewinnerseite?

    Hong Sang-ju hat in seinem Leben alles richtig gemacht, zumindest seine Eltern würden es so sehen. Nach dem Maschinenbau-Studium an der Seouler Nationaluniversität, der Kaderschmiede des Landes, ergatterte er vor vier Jahren eine Stelle bei Samsung Electronics als Ingenieur. Hong sitzt in einem Café im Seouler Nobelbezirk Gangnam und stochert mit seiner Gabel im Ricottasalat. Hinter der Glasfront ragen drei Samsung-Bürotürme 200 Meter in den wolkenlosen Himmel.

    Für das Gros seiner Generation lebt der 29-Jährige den koreanischen Traum, doch glücklich wirkt er nicht. „Ich wünschte mir, ich könnte auch ein wenig mehr Freizeit haben“, sagt Hong. Sein Arbeitsalltag beginne morgens um sechs, wenn er sich zum Bus aufmache, und ende oft nach Mitternacht. Da er auch am Samstag arbeiten müsse, bliebe nur der Sonntag zum Entspannen. Samsung-Manager seien im ganzen Land für ihre Arbeitswut berüchtigt, sagt Hong: „Den jüngeren Mitarbeitern fehlt dieser Spirit. Sie sind mehr um ihre Work-Life-Balance besorgt.“

    Tatsächlich sind immer weniger Südkoreaner bereit, 70 Wochenstunden für einen satten Lohn einzutauschen. Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren wurde Samsung kürzlich als beliebtester Arbeitgeber des Landes von der Fluggesellschaft Korean Air abgelöst.
    „Es war die Hölle“

    Die unzähligen enttäuschten Samsung-Bewerber wird das wohl kaum trösten. „Es war die Hölle“, sagt Oh Ye-ji zweieinhalb Stunden und 260 Testfragen später. Hoffnung auf ein Bewerbungsgespräch bei Samsung mache sie sich keine mehr. Ob sie einen anderen Weg für sich sieht, als den absurd hohen Leistungsanforderungen hinterherzuhecheln? Niemand aus ihrer Generation würde genug Kraft haben, gegen das System zu rebellieren, sagt Oh Ye-ji.

    Als sie frisch an der Uni war, da seien ihre Ideale von einer älteren Studentin befeuert worden, die Demonstrationen organisierte, um die katastrophalen Arbeitszustände der Reinigungs- und Sicherheitskräfte an der Uni anzuprangern. In Südkorea passiere das extrem selten, dass jemand den Mut habe, sich öffentlich gegen den Strom zu stellen. Vor Kurzem erst habe sie ebenjene Studentin wiedererkannt: auf dem Foto einer Tageszeitung. Sie würde jetzt als hohe Regierungsbeamte arbeiten, stand dort geschrieben. Für Oh Ye-ji kam das einem Schock gleich: „Wer dort arbeitet, muss sich zumindest anpassen, wenn nicht gar seine Ansichten aufgeben. Wenn sich selbst solche Leute irgendwann fügen, wer soll dann wirklich etwas ändern?“
    © 2014 taz

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