Back to Yong-In

– Übrigens: der Mauszeiger, einen kleinen Moment auf dem Bild festgehalten, zeigt eine kurze Bildlegende. Und: click for big! –

Mittwoch 06.08.
Taxi to Baek Yang Sa, train to Cheong Ju. 16 Gepäckstücke, gut 3 pro Nase. Mehrere davon verheißen ein tolles Picknick, kaum zu glauben für 2 1/2 Stunden Fahrt. Draußen fliegen die Reisfelder und die Gewächshäuser vorbei, wo der große Bedarf des Landes an Gemüse und Obst produziert wird und die hier im südlichen Korea überall in hoher Anzahl das Landschaftsbild prägen.

Baek Yang Sa, BahnsteigPicnic im zug 1 Picnic im Zug 2
Picnic im Zug 3

Jee-Seon holt uns am Bahnhof ab. Riesenwohnung (s.u.)
Jae-Min (der 2008 mit nach D kam) und seine kleine Schwester Yoo-Bin ( 18 bzw. 11 Jahre, jeweils -1 nach unserer Rechnung) freuen sich sehr über unseren Besuch.

SaladbarTeebar: Mitte oben gibt es auch Jasmin-Tee
Essen im Restaurant KKOTMAREUM: « Naturalism » als Philosophie, scheint etwas aufgesetzt, kundenfängerisch. Egal, schmecken tut’s immer.Frühstück zu Hause

Donnerstag 07.08.
YONGIN, 24.Stock…in Yongin, im 24. Stock, der Wohnung der Familie der jüngsten Nichte Yoon-Jeon.
WELCOME TO OUR HOME – hat Ka-Eun, die jüngste Tochter, ans Pinbrett geschrieben.
10 Uhr ging es los, pünktlich, Jee-Seon bringt uns hierher mit dem Auto und fährt gleich wieder zurück. Nicht bevor wir noch zusammen zu Mittag in einem Nudelrestaurant gegessen haben. Jee-Seon arbeitet bei sich zu Hause, in der Riesenwohnung, wo das Wohnzimmer etwa so groß ist wie eine Hartz IV-zulässige Zweipersonenwohnung bei uns (6×9 m²). Dort versorgt sie zwischen 14 und 20 h ca. 20 Schüler mit Hausaufgaben- und Nachhilfe, und sie hat « her own style » , wie sie sagt, one to one. Das aber sicher nicht bei den Hausaufgaben, sondern in den Fächern Englisch, Physik, Mathe. Sie beschäftigt 6 weitere Lehrer, hat zwei Studier- und eben dieses Wohnzimmer. Und kocht Dinner für ihre Schüler. Das muss ganz schön einträglich sein – und auch sehr gefragt, denn in Korea schicken die meisten Eltern ihre Kinder in solche Privatschulen, wo sie auf den nächsten Schultag und auf Prüfungen vorbereitet werden. (vgl. taz-artikel vom November 2014 im Kommentar.) Der Zugang zu den drei begehrtesten Unis in Seoul verlangt eindeutig eine glänzende Abi-Note. Und auch bei den anderen Unis gibt es eine Rangfolge der Zulassung. Jae-Min, ihr eigener Sohn, steht jetzt ein Jahr vor dem A-Level, und bis dahin gibt es keinen Urlaub, sagt Jee-Seon. Wobei die Urlaube der Gutbeschäftigten in Korea ja überall sehr kurz auszufallen scheinen, kaum mehr als eine Woche im Jahr.
Abends sind wir von Yoon-Jeon in ein Super-Buffetrestaurant eingeladen. Irre, wir können immer noch essen! Und genießen – nicht zuletzt die Tee-Bar.

Freitag, 08.08.
Zurück in Sole City bei Seung-Ja, die uns schon vermisst hat. Ein von der Schwägerin gestern bestelltes Taxi hat uns 4 abgeholt, nachdem Yoon-Jeon und die beiden reizenden Töchter bereits um halb acht zur Arbeit bzw. zu Ferienaktivitäten aufgebrochen waren. Hae-Gwan, der älteste Neffe (Sohn von Jae-Yul), der kaum mal ein Wort wechselt, auch nicht mit Caro, ist auch schon weg. Er arbeitet im Restaurant einer Tante, seitdem die kleine Bamboo-factory seines Vaters keinen Arbeiter mehr ernähren konnte.
Gestern Abend war es noch sehr schön gewesen, heimelig, eine Art Familienfest, das passend auf den 75. Geburtstag Jong-Yul’s gefallen war, mit vielen Erinnerungen an ihn. Auch die umstehenden Hochhäuser mit ihren erleuchteten Fenstern hatten tröstlich ausgesehen.
YONGIN, 24.Stock nachtsYONGIN, family
Yoon-Jeon’s « Lieblingsphoto » in ihrem Familienalbum: Max (ca. 3 Jahre) mit Caro (ca. 3 Monate). Sie ist soooo herzlich. Ihre beiden Töchter (15/11 – 1) können wir begeistern. Für die Großen fließt 1 Flasche Whisky und viel Bier. Und wieder viele Geschenke.

Yoon-Jeon's LieblingsfotoMein Lieblingsfoto vom 7.8.14Das Freundschaftsbändchen, das ich Hae-Yeong 1997 mitgebracht hatte, hat sie immer noch!

Dort gab es zwei Laptops, die man gern benutzen durfte – aber der (Papier-) Block hier wird wohl mein bevorzugter Notizenaufnehmer bleiben, bis Lünen.
Die Kulisse von Yong In
Wir 3 wollten zusammen in Richtung Seoul, Geschenke/Mitbringsel kaufen. Ich hab mich entschieden, lieber hier zu bleiben, talk, walk, rest, mit Schwägerin und Schwager. Das Buch, das ich gerade lese, ist auch sehr mitreißend…

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Une réflexion au sujet de « Back to Yong-In »

  1. Zusatzinfo:

    Bildungswahn in Südkorea
    Vier Stunden Schlaf? Durchgefallen

    Nachhilfe bis zum Exzess, Auslandsaufenthalte und Schlafmangel: Südkoreas Gymnasiasten geben alles für den Uni-Aufnahmetest. Ihre Eltern auch.

    SEOUL (taz) – 13.11.2014
    Von Fabian Kretschmer
    Am Donnerstagmorgen kommt das Land auf der Überholspur für einen Vormittag lang zum Stillstand: Die Büros und Aktienmärkte öffnen verspätet, der Luftraum bleibt vorübergehend geschlossen, sämtliche Militärübungen werden unterbrochen. Nichts darf die Ordnung stören, wenn Südkoreas Oberschüler zum Universitätseingangstest antreten. Die Prüfung, genannt Suneung, ist die Quintessenz des konfuzianischen Bildungshungers.

    Für die landesweit 640.000 Gymnasiasten werden es wohl die acht wichtigsten Stunden ihres Lebens, denn die Punktzahl des Suneung entscheidet, für welche Universität sie zugelassen werden. Wer einen Platz auf den drei Elite-Unis ergattert, hat wahlweise eine Festanstellung bei den großen Konglomeraten oder eine Beamtenlaufbahn sicher. Doch nur 2 Prozent schaffen das – der großen Mehrheit bleibt die gesellschaftliche Tür nach ganz oben versperrt. Die konformistische Gesellschaft kennt nur wenige Wege zum Erfolg. Alles oder nichts, heißt es für Südkoreas Jugend.

    Der 28-jährige Maschinenbaustudent Park Jin-hyeon erinnert sich noch gut an seine letzten drei Oberstufenjahre, die ausschließlich aufs Suneung ausgelegt waren: Um 7 Uhr klingelte die Schulglocke, bis 11 Uhr nachts dauerte der an die Schule anschließende Nachhilfeunterricht. Zu Hause warteten dann noch die Hausaufgaben auf ihn. „Am nächsten Tag ging das Ganze dann von vorne los“, erzählt Park, der derzeit auf der renommierten Seoul National University seinen Doktortitel macht.

    Ein gängiges Sprichwort unter Südkoreas Jugend lautet: Wenn du drei Stunden schläfst, wirst du den Test bestehen. Vier Stunden Schlaf – und du fällst durch.

    Im Ausland wurde das Bildungssystem lange Zeit zum Vorbild verklärt. Wiederholt lobte Barack Obama das Bemühen südkoreanischer Eltern, ihren Kindern eine gute Bildung zu ermöglichen. Tatsächlich war noch vor 60 Jahren der Großteil der Bevölkerung analphabetisch. Heute gibt es in keinem Land der Welt mehr Uni-Absolventen. Südkoreas Schüler zählen zu den Pisa-Siegern.
    Höchste Selbstmordrate der Welt

    Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Längst wird das Bildungssystem von vielen Pädagogen und Soziologen für gesellschaftliche Übel verantwortlich gemacht: vor allem für eine der höchsten Selbstmordraten der Welt. In keinem OECD-Staat fühlt sich die Jugend unglücklicher als im ostasiatischen Tigerstaat.

    Als größte Belastung nennen die meisten Befragten den massiven Leistungsdruck in der Schule. Eine aktuelle Umfrage des Gesundheitsministeriums unter 14- bis 19-Jährigen ergab, dass rund die Hälfte von ihnen mindestens einmal im Jahr an Suizid denkt.

    „Korea hat eines der besten Bildungssysteme der Welt. Das Problem ist, dass es hohe psychologische Kosten gibt, die die Schüler zollen müssen“, formulierte es der koreanischstämmige Weltbankpräsident Jim Yong Kim während einer Pressekonferenz Anfang November in Seoul.

    Tatsächlich fängt für die meisten Schüler der eigentliche Unterricht erst nach Schulschluss an. Über 14 Milliarden Euro gaben südkoreanische Eltern im letzten Jahr aus, um ihre Kinder in einem der knapp 100.000 Nachhilfeinstitute auf den Uni-Eingangstest vorzubereiten. In dem Land gibt es bereits mehr Privatlehrer als staatliche. Der berühmteste von ihnen, Kim Ki-hoon, verdient mehr als ein durchschnittlicher Fußballnationalspieler. Über 150.000 zahlende Schüler lauschen seinen Onlinekursen, um sich für das Suneung zu wappnen.

    Im Wettkampf um die besten Uni-Plätze schicken wohlhabende Eltern ihre Kinder auch gern über die Grenzen: Laut Schätzungen der Regierung leben über 40.000 koreanische Schüler im Ausland, vorwiegend in den USA, in Kanada und Australien, um dort ihr Englisch zu perfektionieren – eines der Kernkriterien für den Eingangstest. Typischerweise zieht die Mutter mit dem Kind ins Ausland, während der Vater als Brotverdiener in der Heimat zurückbleibt. „Gänseväter“ werden sie genannt, weil sie wie Zugvögel reisen müssen, um ihre Familie sehen zu können.
    Regierung kämpft gegen den Bildungswahn

    Seit einigen Jahren bereits kämpft die Regierung gegen den Bildungswahn an. Auch sie hat erkannt, dass das derzeitige System die sozialen Ungleichheiten verstärkt und reines Bulimie-Lernen belohnt. Die Seouler Bildungsbehörde pocht darauf, die Schulen künftig erst ab 9 Uhr morgens zu öffnen, um den Schülern mehr Schlaf zu ermöglichen. Auch dürfen die Schulleitungen Schüler nicht mehr zwingen, bis nach zehn Uhr abends fürs „Selbststudium“ zu bleiben.

    Gleichzeitig wird autonomen Schulen regelmäßig ihre Lizenz entzogen, weil sie statt des vorgeschriebenen Curriculums ausschließlich auf den Uni-Eingangstest vorbereiten. Dennoch nehmen solche Maßnahmen letztlich nur die Auswüchse des Problems ins Visier, nicht jedoch die dahinterliegenden Ursachen.

    Allein die demografische Entwicklung des Landes spricht dafür, dass sich der Leistungsdruck für die Schüler weiter verschärfen wird. Südkorea weist die am schnellsten sinkende Geburtenrate der Welt auf, sodass sich die utopischen Erwartungshaltungen der Eltern auf immer weniger Kinder konzentrieren.

    Kein Wunder, dass sich die Spannung der Schüler nach dem achtstündigen Prüfungsmarathon in einem Ritual entlädt: Alle werfen ihre Lehrbücher gemeinsam aus dem Fenster – froh, dass es endlich vorbei ist.
    © 2014 taz

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