Gegenwehr – mehr Gesicht und Farbe zeigen!

Eine gute Freundin auf der Titelseite des ZEIT-Feuilletons – und der Text von Navid Kermani, für den sie steht
Siggi ZEIT-Feuilleton 15.01.15
Sie kommentiert: Natürlich wurde nicht gefragt, ob ich « Cover-Girl » des Zeit-Feuilletons sein möchte…
aber ich stimme Navid Kermani zu: Mehr Freiheit!
Mehr Widerstand gegen alle, die sie einschränken wollen!
Mehr Gesicht zeigen!
(Und mehr Farbe natürlich auch…)

WIE HIER!

Sigrids Transparent vom 5.,12.Januar usw

Navid Kermani

Wir wehren uns!

Die Antwort auf den Terror muss eine aufklärerische sein: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Freiheit. Und es liegt an uns Muslimen, dem höchsten Gebot des Islams, der Barmherzigkeit, Geltung zu verschaffen.
DIE ZEIT Nº 03/2015 – 15.01.2015
Vor einer Woche sind in Paris zwölf Menschen ermordet worden, nur weil sie ihr Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch nahmen. Zwei Menschen sind ermordet worden, nur weil sie Polizisten waren, gewöhnliche Streifenpolizisten, die ihren Dienst taten. Einen Tag später sind vier Menschen ermordet worden, nur weil sie – der Attentäter hat es selbst am Telefon wörtlich so erklärt – Juden waren. Das geschah mitten in Europa, im Zentrum der französischen Hauptstadt, unweit der Bastille, wo die Bürger 1789 auf die Barrikaden gingen, damit nicht mehr ein einzelner Despot, sondern Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit herrschen. Diese Revolution war es, die am Anfang auch unserer Freiheit steht.

Es hat Jahre, Jahrzehnte, ja fast zwei Jahrhunderte gedauert – Europa, ja Frankreich selbst ist Umwege und fürchterliche Irrwege gegangen –, bis endlich die Menschen ungeachtet ihres Geschlechts, ihrer Herkunft, ihrer Religion, ihrer sexuellen Orientierung die gleichen Rechte – nein, ich will nicht sagen: die gleichen Rechte genießen, denn verwirklicht ist Europa noch nicht, aber doch die gleichen Rechte beanspruchen und für sie eintreten können. Allein, Freiheit und Gleichheit sind noch nicht das ganze Erbe der Französischen Revolution. Die letzten Tage haben uns daran erinnert, dass wir bei allen politischen Rechten und gesetzlichen Regeln immer auch das Moment der Brüderlichkeit im Blick haben müssen, der Empathie, des Einstehens für den Schwächeren, der Gastfreundschaft gegenüber dem Fremden, der Solidarität mit dem Verfolgten. Das war der entscheidende zivilisatorische Durchbruch, der 1789 sicher noch nicht gelungen, aber doch begonnen wurde, die Übertragung des biblischen Gebotes der Nächstenliebe auf die gesellschaftliche Wirklichkeit: nicht wir Franzosen und wir Deutschen, nicht wir Weißen über den Schwarzen, nicht wir Einheimischen über den Fremden, nicht die Männer über den Frauen, nicht wir Adligen und wir Bürger, nicht wir Kapitalisten und wir Arbeiter, nicht wir Christen, wir Juden und wir Muslime, nicht wir Europäer, wir Asiaten und wir Afrikaner – nein, wir Menschen.…Weiterlesen

Navid Kermani, Schriftsteller und Orientalist, ist Muslim iranischer Abstammung und lebt in Köln. Vor Kurzem erschien sein neues Buch Zwischen Koran und Kafka. Die hier veröffentlichte Rede hielt er am 14.1. auf der Trauerkundgebung für die Opfer des Pariser Anschlags in Köln

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