DIE GESCHICHTE VON MARIAM – DAS BILDERBUCH

Wir, mein Freund und Mitautor Andreas und ich, haben zusammen ein Bilderbuch gemacht, und wir – sowie einige Freunde, die es schon gesehen haben – finden es einfach wunderschön:


« Ein Tag im Leben eines kleinen afrikanischen Mädchens »

Sie heißt hier Mariam, und sie ist einem realen kleinen Mädchen in meiner Familie in Kati nachempfunden.
Zuerst seht Ihr hier das Bilderbuch ohne « tags » (zum Vergrößern KLICKEN!):

mari0.1mari0.2mari0.3

Lire la suite

Retrouvailles

DSCF0636
Fotos (c) aramata: Abdoulaye Dicko, Kati

Kati, 28.12.2011

Geschichte zum neuen Jahr oder: Eine etwas andere Weihnachtsgeschichte

Es hätte ja auch an jedem anderen Tag sein können…

Vor zwei Wochen kam unser Nachbar, Herr Dicko, mit einem alten Brief, abgeschickt 1980 in Deutschland, und zwei vergilbten Fotos zu uns mit der Bitte zu versuchen, den Absender zu finden. Es gab drei Namen und ein Geburtsdatum und den Ort: Buchholz bei Hamburg. Lire la suite

Aus den Augen, aus dem Sinn ?

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzâhlen – früher war das eher dann, wenn er zurückkehrte.
Und in der Zwischenzeit hat man nicht viel an ihn gedacht, jedenfalls die meisten. Das Leben geht weiter, hier wie da, und es gibt viele andere Kontakte, reelle Kontakte, Menschen, mit denen man direkter kommunizieren kann als per geschriebenem Wort.

Ich habe, auf Reisen oder aus der Entfernung, schon immer Briefe geschrieben, und man muss zugeben, dass es heute einfacher ist, diese erfolgreich zu verschicken und zeitnah eine Antwort zu erhalten. Wir profitieren alle (die, die zumindest zeitweise connected sein können) davon – auch wenn es manchmal besonders schön ist, einen handgeschriebenen Brief mit der (Schnecken-)Post zu bekommen.

Ein bisschen hab ich auch gedacht, wenn ich jetzt weg bin, denkt keiner viel an mich, viele werden kaum richtig Zeit haben, auf meine Briefe zu antworten – so war es ja schon mal, während der vergangenen Jahre. Aber es stimmt nicht ganz, nicht fûr alle:
ebenso wie ich Euch nicht aus dem Sinn verlieren werde, die Ihr da seid, wo sich meine Wurzeln befinden, und die Ihr mir viel mit auf den Weg gegeben habt, kleine und grosse Geschenke, Samen die wachsen können, Eure Gedanken, einen Teil Eures Herzens…
ebenso werde ich Euch nicht aus dem Sinn kommen, und Ihr werdet ab und zu an mich denken und das auch deutlich sichtbar, lesbar machen.

Der Abschied war schwieriger als 2005 oder 2008. Noch immer nicht endgültig, aber mit vielen zurückgelassenen offenen Baustellen, und neuen Baustellen hier.

Auch dabei hilft mir, dass ich den Kontakt zu Euch habe, und in einigen Tagen werde ich wohl den nötigen Elan wiedergefunden haben, um daran zu arbeiten.
Wie war noch der Spruch von Ellen Johnson-Sirleaf, einer der wichtigsten Frauen unseres Jahrhunderts, der ich viel Glück für die Stichwahl und für die weitere Arbeit am Aufbau ihres Landes wünsche?

WENN DEINE TRÄUME DIR KEINE ANGST MACHEN, SIND SIE NICHT GROSS GENUG – SI TES REVES NE TE FONT PAS PEUR, ILS NE SONT PAS ASSEZ EXIGEANTS.

Nachrichten von der Karawane BAMAKO -DAKAR

die tageszeitung von heute

* 05.02.2011

Der Zug der Armen

2.000 Kilometer zieht eine Karawane von Abgeschobenen, Flüchtlingen, Bauern und Landlosen durch Westafrika zum Weltsozialforum. Die taz ist dabei

VON CHRISTIAN JAKOB

Bamako, 24. Januar

Das Experiment beginnt auf einer staubigen Brache. Normalerweise gehört die Fläche in dem ärmlichen Außenbezirk von Malis Hauptstadt Bamako trainierenden Fußballern. Doch heute hat hier die Malische Vereinigung der Abgeschobenen (AME) einen Versammlungsort aufgebaut: Planen als Sonnenschutz, Bänke, aus Boxen tönt Reggae-Musik, in einer Hütte wird gekocht.
….
Bamako/Nioro, 26. Januar

Fünf Busse stehen am Morgen auf dem Platz bereit. Auf dem Boden türmen sich Schaumstoffmatten, Transparente, Taschen voller Flugblätter. Mit Rucksäcken bepackte Teilnehmer der Karawane treffen ein, Händler bieten ihnen Zahnbürsten, Sandalen und Telefonkarten an. Ein Bus stammt aus Deutschland: Ein Schild, das das hessische Dillenburg als Ziel ankündigt, hat noch niemand entfernt. Nach zwei Stunden ist alles verstaut.

Die Fahrt ins mauretanische Grenzgebiet führt vorbei an Affenbrotbäumen, Ziegenherden und vertrockneten Maispflanzen. In Nioro hat die AME-Ortsgruppe einen großen Empfang in einem leeren Schulgebäude organisiert. Auf winzigen Grills im Garten wird Tee in Metallkannen gekocht und in kleinen Gläsern gereicht.

Nioro, 27. Januar

Am Morgen beginnt ein symbolischer Trauermarsch, eine 15 Meter lange Liste wird durch die kleine Stadt getragen. Sie trägt die Namen von über 14.000 Menschen, die an Europas Außengrenzen starben. « Wir wollen an die Opfer der Festung Europa erinnern », sagt ein Sprecher der Sans-Papiers, der sich « Minister für Legalisierung » nennt.

Die Aktivisten legen die Liste vor der Präfektur auf der Straße nieder. Roter Staub weht darauf, Kinder knien hin und wischen ihn weg. Tuareg in blauen Gewändern stehen an der Seite und schauen zu, der Papierlosen-Minister bittet um eine Schweigeminute. Eine ältere Frau drängelt sich nach vorn, greift nach dem Mikrofon. Ihre Kinder sind im Exil, aber sie weiß nicht, wo, und hat Angst um sie. Aus praktisch jeder Familie in Nioro gehen Söhne auf der Suche nach Arbeit ins Ausland. « Wenn ihr hier seid, um die Migranten zu verteidigen, dann grüße ich euch », sagt die Frau.
« Mit unseren Forderungen rennen wir hier eigentlich offene Türen ein », sagt Hagen Kopp aus Hanau. Vor Jahren hat er das Netzwerk « Kein Mensch ist illegal » mitgegründet. « Die Frage ist nur, wie wir es schaffen, dass daraus ein gemeinsamer politischer Prozess wird. » Die Karawane mit ihren Flugblättern, Stelzenläufern und Fotografen komme ihm vor « wie ein Ufo » in der Wüste. Doch solange sich Europas Grenzen immer weiter nach außen verschieben, müsse eine antirassistische Bewegung dem « Grenzregime an seine Hotspots folgen », meint Kopp.

Gogui, 28. Januar

Gogui ist so ein Hotspot. Wer aus dem Bus tritt, den trifft der Wüstenwind wie ein Schwall heißes Wasser, der Sandsturm lässt nach wenigen Minuten die Augen brennen. An diesem winzigen Grenzort setzt die mauretanische Polizei die Flüchtlinge aus, die spanische Einheiten der EU-Grenzschutzagentur Frontex vor den Kanarischen Inseln abfangen. Das Gleiche tun die Algerier weiter östlich an ihrer Grenze zu Mali. Manchmal nimmt das Rote Kreuz sie in Empfang, manchmal auch nicht. Immer wieder sterben völlig dehydrierte Flüchtlinge.

In Gogui hat die EU ein Schild aufgestellt: « Stoppt die irreguläre Migration – sie gefährdet die malische Gesellschaft. » Vor dem einzigen einigermaßen intakten Haus hocken zwei Grenzpolizisten. Trotz der brüllenden Hitze tragen sie schwarze Wollmützen, vor ihrem Mund Schlafmasken, zum Schutz gegen den Sand. Außer ein paar Kindern sind sie fast die einzigen Zuschauer des sich langsam formierenden Demozugs der Karawane. Die will in Gogui « gegen all die Verbrechen an Flüchtlingen in der Wüste » protestieren. Ein französisches Anarchistenpärchen sprüht « Grenzen töten » an die Rückwand des Grenzhäuschens.

Die Polizisten führen ein Filmteam zu zwei völlig verfallenen Hütten, etwas abseits der Straße. Sie gleichen Ziegenställen, drinnen liegen ein paar vergessene Kleidungsstücke, weit und breit ist kein Wasseranschluss in Sicht. « Hier können sich die Flüchtlinge ausruhen, bevor sie weiterziehen », erklärt der Polizist.

weiterlesen:

http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=sw&dig=2011%2F02%2F05%2Fa0169&cHash=bfab81d211