Demo in Dortmund gegen die Unterdrückung im Iran und den Tod von Mahsa „Jina“ Amini

Viele Menschen versammelten sich am Samstag in Dortmund, um gegen die politische Gewalt an Frauen im Iran zu demonstrieren.

Foto (c) Karsten Wickern: In Dortmund wurden am Samstag (24.9.) bei Demonstrationen mehrere Kopftücher verbrannt. Es ist ein Zeichen, um sich mit der getöteten Mahsa „Jina“ Amini zu solidarisieren.

Frauen verbrennen ihre Kopftücher mitten in Dortmund
RuhrNachrichten – 24.09.2022
Hunderte Menschen haben am Samstag vor dem Dortmunder Hauptbahnhof demonstriert. Ihre Wut richtete sich gegen die Gewalt gegen Frauen im Iran. Dabei griffen sie zu einem ungewöhnlichen Mittel.
von Robin Albers, Karsten Wickern
Immer wieder schallt die Parole „Jin, Jiyan, Azadî!“ über den Vorplatz an der Nordseite des Dortmunder Hauptbahnhofes. Sie stammt aus dem Kurdischen und bedeutet „Frauen, Leben, Freiheit“. Hunderte Dortmunderinnen und Dortmunder rufen sie am Samstag (24.9.) bei einer Demonstration vor dem Cinestar. Genauso wie tausende Demonstrierende seit dem 16. September im Iran und in Kurdistan. An diesem Tag starb die 22-jährige Mahsa „Jina“ Amini. Sie wurde drei Tage zuvor in Teheran von der iranischen Sittenpolizei festgenommen, da sie angeblich ihren Hijab, ihr Kopftuch, nicht richtig getragen habe: Ihre Haare seien zu sehen gewesen. Amini überlebte ihre Verhaftung nicht.
Ihr Tod führte zu starken Protesten gegen die iranische Regierung, die Sittenpolizei und die strenge islamische Kleiderordnung. Frauen schneiden sich unter anderem die Haare ab oder verbrennen ihr Hijab. Bei den Protesten im Iran und in Kurdistan sind bislang dutzende Menschen gestorben.
Freiheit für Frauen gefordert
Die Demonstration in Dortmund begann um kurz nach 13 Uhr mit einer Schweigeminute für die 22-jährige Amini. Überwiegend Menschen, die augenscheinlich einen muslimischen Hintergrund haben könnten, nahmen teil, vorwiegend aber Frauen aus jeder Altersgruppe. Viele von ihnen hatten lilafarbene Flaggen der „Kurdischen Frauenbewegung in Europa“ (TJK-E) dabei. Laut Polizei waren in der Spitze 280 Menschen vor Ort.

Foto (c) Robin Albers: Viele Menschen versammelten sich bereits am Vormittag am Nordausgang, um gegen die politische Gewalt an Frauen im Iran zu demonstrieren.

Am frühen Abend fand am gleichen Ort eine weitere, ähnliche Demonstration statt. Bei der wurde überwiegend Persisch gesprochen – das spricht ein Großteil der Menschen im Iran. An der nahmen laut Polizei mehr Menschen teil, als am Vormittag – 450 Teilnehmende hätten die Beamten gezählt. Viele seien einfach nach der ersten Versammlung am Cinestar geblieben und hätten sich der Demonstration angeschlossen, die um 17 Uhr begann.

Foto (c) Karsten Wickern: Rund 450 Menschen nahmen bei der Demonstration am frühen Abend teil.

Brennende Hijabs als Zeichen der Solidarität
Genauso wie die Proteste im Iran kritisierten die Menschen in Dortmund in Redebeiträgen immer wieder das Mullah-Regime und den Tod von Mahsa Amini sowie die Gewalt gegen Frauen und die Demonstrierenden. Sie fordern Freiheit für iranische Frauen. Die Stimmung war jeweils durchaus wütend, wenn auch friedlich.

Als Zeichen der Solidarität wurden auch in Dortmund einige Kopftücher verbrannt. Bei der Demonstration am Vormittag war die Flamme, die dabei entstand, noch relativ klein, was vermutlich einem leichten Nieselregen zuzuschreiben ist. Die Versammlung am frühen Abend endete mit einem etwas größeren Feuer. Die Polizei hat wegen der brennenden Hijabs allerdings nicht eingreifen müssen.
© 2022 rn.de

Wer hat Angst vor dem freien Kopf?
Im Iran protestieren Frauen gegen die Zwangsverschleierung als Unterdrückungswerkzeug. Die Linke sollte nicht zögern, ihr Anliegen zu unterstützen.
taz – 23.09.2022
Von Fatma Aydemir
Was Frau auf dem Kopf trägt oder nicht trägt, sagt wenig darüber aus, was in ihrem Kopf vor sich geht. Es gibt Frauen, die verhüllen sich aus religiösen Gründen, und es gibt Frauen, die es aus sozialem Druck und Konventionen tun. Manche Frauen sehen in ihrem Kopftuch ein Zeichen der Selbstbestimmung, manche tragen es, um sich zu schützen. Ich kenne Frauen in Deutschland, die Jobs verloren, weil sie sich für das Kopftuch entschieden haben. Es gibt Frauen in der Türkei, die geächtet werden, wenn sie ihr Kopftuch abnehmen.

All diese Bedeutungen und Positionen zum Kopftuch existieren, es gibt noch unzählige mehr. Und wir können diese Vielfalt von Bedeutungen anerkennen und trotzdem feststellen: Die gesetzliche Zwangsverschleierung im Iran ist ein totalitäres Werkzeug der Unterdrückung. Und zwar nur eines von vielen. Seit dem Tod der 22-jährigen Mahsa Zhina Amini vergangene Woche brennen Kopftücher auf den Straßen in Iran. Und dieser Anblick sollte unabhängig von den vielen anderen Bedeutungen dieses Stoffes als das wahrgenommen werden, was es in diesem Kontext ist: ein Akt des feministischen Widerstandes. Amini wurde von der sogenannten Religionspolizei festgenommen und gefoltert, weil sie ihr Kopftuch nicht „ordnungsgemäß“ trug. Möglicherweise waren einige Haarsträhnen zu sehen. Nach drei Tagen im Koma starb die junge Frau, höchstwahrscheinlich an den Folgen ihrer Misshandlung.

Täglich protestieren seitdem Frauen und Männer im Iran gegen das Mullah-Regime, wohl wissend dass sie dafür verhaftet und im schlimmsten Fall mit dem Leben bezahlen werden. Neben dem großen Aufstand in der Hauptstadt Teheran, kommt es vor allem in den kurdischen Städten im Westen seit gut einer Woche zu unzähligen Protesten, die von der Polizei brutal niedergeschlagen und auch -geschossen werden. Laut der Menschenrechtsorganisation Hengaw sind allein in Kurdistan bis Donnerstag mindestens acht Protestierende von iranischen Sicherheitskräften getötet worden, darunter zwei Teenager im Alter von 15 und 16 Jahren. Die Regierung legte gleichzeitig das Internet lahm und sperrte das letzte in Iran frei zugängliche soziale Netzwerk Instagram, um die Bevölkerung von der Außenwelt sowie untereinander zu isolieren. Die Menschen gehen dennoch weiter auf die Straße.

Linke müssen dem Aufstand beistehen

Die 22-jährige Amini selbst, die am 13. September in Teheran festgenommen wurde, war gerade zu Besuch bei Verwandten. Eigentlich stammte sie aus der kurdischen Stadt Saqqez und trug den kurdischen Namen Zhina. Auf dem Papier hieß sie Mahsa, da iranische Behörden kurdische Namen nicht anerkennen. Auch das ist ein Werkzeug der staatlichen Unterdrückung, bekannt auch aus der Türkei.

Aus der Vergangenheit sollten wir wissen, wie brutal die Islamische Republik Proteste niederschlägt und so ist es existenziell, dass wir uns mit diesem Volksaufstand solidarisieren, dass wir ihn nicht in Vergessenheit geraten lassen, und zwar gerade als Linke. Denn ja, es macht einen Unterschied, ob ein Kopftuch in den Straßen Dresdens brennt oder in Kurdistan. Es macht einen Unterschied, ob Rechte diesen Aufstand instrumentalisieren oder Linke ihm beistehen und Gehör verschaffen.

Bedauerlicherweise stelle ich aber fest, wie zögerlich gerade viele vermeintliche Genoss_innen sind, wenn es um die Verurteilung von Gräueltaten eines islamistischen Regimes geht. Das Menschen tötet, weil sie für ganz elementare Menschenrechte demonstrieren. Das eine Institution allein dafür gründet, das Aussehen und Leben von Frauen zu maßregeln, im Zweifelsfall unter Anwendung von Folter. Das Minderheiten systematisch verfolgt, weil sie für ihre Selbstbestimmung einstehen. Wie emanzipatorisch kann sich eine Linke nennen, die bei alldem wegsieht?
© 2022 taz.de

Eine Frau protestiert mit wehenden Haaren vor einer iranischen Fahne während einer Demonstration vor der iranischen Botschaft in Istanbul

Foto (c) Francisco Seco/ap/dpa: Auch in Istanbul protestieren Frauen gegen die Zwangsverschleierung im Iran

Nicht mehr als bunte Fahnen auf Rathausdächern? Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Foto (c) Lateinamerika-Nachrichten/Xueh Magrini Troll: Illustration des LN-Dossiers « ¡Vivas nos queremos! » – s.Kasten

1. Niemand soll sich schämen
Theater Bremen – Zum 25.11.2020
Eines der größten Gesundheitsrisiken für Frauen weltweit ist Gewalt. In Deutschland ist jede dritte Frau mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Ein Text der Dramaturgin Theresa Schlesinger. Lire la suite

Vom hohen Ross

Genozid an Herero und Nama: Zeit für angemessene Reparationen

taz – 12.08.2020 Von Dominic Johnson Deutschland will die Opfer des kolonialen Völkermordes in Namibia mit 10 Millionen Euro entschädigen. „Nicht annehmbar“, findet Namibia. Der 11. August 1904 nimmt in der deutschen Kolonialgeschichte einen besonderen Platz ein: Es ist das Datum der „Schlacht von Waterberg“, nach kaiserlich-deutscher Geschichtsschreibung die Entscheidungsschlacht der deutschen „Schutztruppen“ in „Deutsch-Südwestafrika“ gegen Aufständische des Herero-Volkes.

Foto (c) imago: Kommt genauso wenig vom hohen Ross runter, wie dieser koloniale Reiter: Deutschland

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CHIMAMANDA ADICHIE – Lest sie ❗

Hermann-Hesse-Preis für Autorin Chimamanda Ngozi Adichie
Deutsche Welle – 02.07.2020
Von Sabine Peschel, Suzanne Cords
Berühmt wurde sie mit « Americanah » – nun erhält Chimamanda Ngozi Adichie für ihren ersten Roman « Blauer Hibiskus » den renommierten Hermann-Hesse-Preis.

Hauptperson des 2003 erschienenen Romans ist die 15-jährige Kambili. Das Haus ihrer Eltern liegt inmitten von Hibiskus, Tempelbäumen und hohen Mauern, dahinter lauert das von politischen Unruhen geprägte Nigeria. Das Mädchen erzählt von dem Jahr, in dem ihr Land im Terror versinkt und ihre Kindheit zu Ende geht.
« Selten haben wir einen so spannenden und ausgereiften Roman gelesen », schwärmten die Juroren über Chimamanda Ngozi Adichies Erstlingswerk, das schon 2003 auf Englisch erschien, aber erst viele Jahre später von Judith Schwaab ins Deutsche übersetzt wurde. Über 20.000 Euro Preisgeld können sich jetzt sowohl Autorin als auch Übersetzerin freuen, denn laut Statut wird der Hermann-Hesse Preis immer für eine « schriftstellerische Leistung von internationalem Rang in Verbindung mit ihrer Übersetzung » vergeben. Der Roman hatte Adichie bereits zuvor mehrere Auszeichnungen eingebracht.

Eine Doppel-Karriere zwischen Uni und Schreiben
Adichie ist längst ein Star der globalen Literaturszene. Kurzgeschichten und erste Romane veröffentlichte die 1977 in eine Akademikerfamilie im südlichen Nigeria geborene Adichie schon während ihres Studiums. Mit 19 ging sie in die USA, um in Philadelphia Politik- und Kommunikationswissenschaften zu studieren. 2003 folgte ein Master-Titel in Creative Writing, 2008 einer in Afrikanistik an der Yale University.
Danach standen ihr die Türen der besten akademischen Adressen offen: 2005 war sie Fellow-Stipendiatin an der Princeton, 2011/12 an der Harvard University. In diesen Jahren wurde sie zur Grenzgängerin zwischen den USA und ihrem Heimatland Nigeria, literarisch und im realen Leben. Auch heute noch teilt sie ihre Zeit zwischen den beiden Ländern auf.

« Americanah » – Roman einer Grenzgängerin
Zur weltweit anerkannten Bestsellerautorin machte sie ihr 2013 erschienener Roman « Americanah« , desssen Protagonistin wie die Autorin auf beiden Kontinenten lebt, dem afrikanischen und dem amerikanischen. Das Buch wurde in 37 Sprachen übersetzt und trägt in allen Übersetzungen denselben Titel – er gibt die in Nigeria übliche Bezeichnung für Rückkehrer aus den USA wieder. Der autobiografisch geprägte Roman trug ihr internationale Anerkennung ein.

Jemand hält Adichie ihr Buch Americanah und einen Stift hin (picture-alliance/dpa/S. Stein) Bei der Frankfurter Buchmesse 2018 standen die Fans Schlange für ein Autogramm

Unterhaltsam, aber mit großer analytischer Schärfe beschreibt « Americanah » die Rituale von Diskriminierung und betonter Liberalität gegenüber den Schwarzen in den USA. Dass der umfangreiche Text mit seinem gesellschaftspolitischen Anliegen immer noch und keineswegs nur in den Vereinigten Staaten hochaktuell sei, betonte Adichie im Gespräch. « Es gibt Rassismus gegenüber Menschen mit afrikanischer Abstammung in den verschiedensten Weltregionen. Aber es geht dabei nicht nur um Rasse, es geht auch darum, welches Bild von sich selber man sich in einer Umgebung macht, die einen als nicht zum Zentrum zugehörig definiert. Es geht um ein Problem von Peripherie und Zentrum. »

« Mehr Feminismus! » – ein Vortrag macht Adichie zum Internet-Star
Ein weiteres großes Thema Adichies ist der Feminismus. « Ich war schon als Kind Feministin, noch ehe ich das Wort kannte », erzählte sie der DW 2019. « Als ich mich in einem TED-Talk als Feministin outete, sprach ich ganz einfach über etwas, das ich schon immer war. » Dass ihr Talk von 2012 « We should all be Feminists » (« Mehr Feminismus! ») Furore machte, freute sie besonders. « Zumal ich ihn vor einem afrikanischen Publikum hielt und annahm, dass er eher feindselig aufgenommen würde. » Die Rede wurde legendär, Millionen Menschen sahen sie sich im Internet an, und sogar Popsängerin Beyoncé zitierte in ihrem Song « Flawless » einige kurze Passagen daraus. [Am Landestheater Salzburg wird das Manifest zur Zeit als Stück inszeniert. dw 15.09.2019]

« Liebe Ijeawele »: Für eine Erziehung gegen Rollenzuschreibung

Cover der Vogue mit Chimamanda Ngozi Adichie von 2019 (Vogue/Peter Lindbergh)

Im September 2019 zierte Chimamanda Ngozi Adichie die Zeitschrift « Vogue »

Den Kampf gegen weibliche Rollenzuschreibungen, Sexismus und Diskriminierung führt Chimamanda Ngozi Adichie mit viel Entschiedenheit, aber vor allem auch Charme. « Ich schimpfe nicht laut herum, weil ich weiß, dass ich dann nicht gehört werde », erklärt sie ihr Verständnis. Stattdessen schreibt und spricht sie darüber, « wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden können ». In ihrem Buch « Liebe Ijeawele » von 2017 (« Dear Ijeawele, or A Feminist Manifesto in Fifteen Suggestions« ) breitet sie Vorschläge für eine feministische Erziehung aus.
Dass die Ratschläge sich aber auch und vorrangig an Männer richten müssten, macht sie auf amüsante Weise deutlich: « Wir können nichts ändern, wenn wir nicht über Jungs und Männer sprechen. Wisst Ihr, wir müssen die guten Männer finden, damit sie die Botschaft verbreiten! »

Diesmal kein Festakt 
Eine starke Stimme wie Adichies bleibt nicht ungehört. Das beweist die erneute Auszeichnung der Autorin mit dem renommierten Hermann-Hesse-Preis. Corona-bedingt wird es allerdings keinen Festakt in Calw geben, der Heimatstadt des 1877 geborenen Dichters Hermann Hesse.
© 2020 dw.com

 

Chimamanda Adichie: THE DANGER OF A SINGLE STORY

Über ihren TED-Talk 2009, in dem ich sie kennen lernte  => hier im Blog

Chimamanda Ngozi Adichie – Star der globalen Literaturszene und Feministin
Deutsche Welle – 15.09.2019
Von Sabine Peschel
Chimamanda Ngozi Adichies Roman « Americanah » machte sie weltberühmt. Aktuell ist sie auf der britischen Vogue zu sehen. Sie kämpft für Feminismus – in Afrika und auf der ganzen Welt.
Es ist ein vergleichsweise kleiner Preis, mit dem Chimamanda Ngozi Adichie am Sonntag (15.09.2019), an ihrem 42. Geburtstag, in Kassel ausgezeichnet wurde. Die nigerianische Schriftstellerin bekam – wie vor ihr unter anderen schon Ai Weiwei und Edward Snowden – den Bürgerpreis « Glas der Vernunft » als « eine kämpferische, aber nicht fanatische Persönlichkeit, die anprangere, aber auch Wege zur Veränderung aufzeige ». Es sei eine « Graswurzelsache », eine Angelegenheit der Bürger der hessischen Stadt, deshalb freue sie sich besonders darüber, sagte Adichie im Gespräch mit der Deutschen Welle. Denn Preise bestärkten sie darin, dass das, was sie tue, etwas bewirke, und dass es wichtig sei weiterzumachen.
Zweifel daran sollte sie eigentlich nicht mehr haben. Adichies Bücher und ihr politischer Kampf gegen Sexismus und Rassismus sind längst kein Phänomen mehr, das nur für ihr Heimatland Nigeria von Bedeutung wäre. Als sie während des Internationalen Literaturfestivals in Berlin auftrat, wurde sie bejubelt wie ein Popstar. Minutenlang feierte das Publikum im Theater « Hebbel am Ufer » die Autorin, als diese die Bühne betrat. Dabei klang der Reihen-Titel « The Art of Writing » (Die Kunst des Schreibens), unter dem ihre Veranstaltung angekündigt war, eher theoretisch als populär. Doch die Zuhörerinnen und Zuhörer, darunter auffällig viele Frauen mit attraktiver Afromähne, kannten ihren Star, Adichies Bücher – und vor allem aber auch ihre TED-Talks, deren Videoaufzeichnungen den Feminismus in der Popkultur verankert hatten.
(…)
Schon ihr 2003 erschienener Debutroman « Purple Hibiscus » (deutsch 2005, « Blauer Hibiskus »), eine aus der Perspektive einer 15-Jährigen erzählte Geschichte, die in den politischen Wirren im Nigeria der 1990er Jahre spielt, gewann Preise. Ihren zweiten Roman « Half of a Yellow Sun » (2007, « Die Hälfte der Sonne ») siedelte Adichie in den 1960er Jahren des 20. Jahrhunderts an, als die Region Biafra nach Nigerias Souveränität 1960 die eigene Unabhängigkeit anstrebte.

Chimamanda Ngozi Adichie (ilb/A. Ghandtschi)

Foto (c) ilb/A. Ghandtschi: Chimamanda Ngozi Adichie las in Berlin und wurde bejubelt, am 13.09.2019

(…)
© 2020 dw.com

«FEMINIST FUTURES FESTIVAL» in Essen

Feminist Futures Festival
Internationales Festival «FEMINIST FUTURES»
12.-15.9.2019 Zeche Zollverein, Essen
wideblick.blogspot.com / rosalux.org – 18.06.2019
Weltweit gewinnen feministische Bewegungen an Stärke und schlagen einen immer radikaleren Kurs ein: Lautstark und vielfältig stellen sie sich dem neoliberalen Ausverkauf des Gesundheitssystems und schlechten Arbeitsbedingungen entgegen. Sie kämpfen gegen sexuelle Gewalt, rassistische Ausgrenzungen und die Zerstörung der natürlichen Umwelt. Sie treten für soziale Gerechtigkeit als Grundlage für Selbstbestimmung über ihren Körper und ihr Leben ein. Damit gehören sie zu den wichtigsten Gegner*innen eines globalen Rechtspopulismus und bauen an einer besseren Zukunft für alle!

Es ist also alles in Bewegung: Feminist*innen mit verschiedenen Erfahrungen und Hintergründen kommen wieder oder das erste Mal zusammen. Es entstehen Handlungsweisen, die auf etwas Gemeinsames orientieren ohne Unterschiede zu verschweigen. Somit kann eine Einheit in der Differenz möglich werden. Sie verbinden feministische und queer-feministische Anliegen mit konsequenter Kapitalismuskritik und Klassenpolitik. Auch wir wollen in dieser Richtung weiter kommen. Um die Bewegungen zu stärken und weiterzuentwickeln, brauchen wir Orte für Debatten, um voneinander zu lernen.

Einen solchen Ort möchten die Rosa-Luxemburg-Stiftung, das Netzwerk Care Revolution und das Konzeptwerk Neue Ökonomie mit einem internationalen Festival im September bieten. Die Vorbereitung gestalten viele lokale und überregionale Unterstützer*innen aktiv und vielfältig mit. Es soll Podien und Workshops für theoretische ebenso wie praxisnahe Fragen geben. Es gibt Zeit für Trainings und Gesprächsrunden. Wir wollen an ältere feministische Praxen der ‚Selbsterfahrung‘ anschließen und über feministische Gesundheit genauso lernen, wie über Transformatives Organizing. Auch unterschiedliche Formen künstlerischer und kultureller Beiträge werden zentraler Bestandteil des Programms sein. Wir wollen gemeinsam Filme schauen und darüber diskutieren, es wird Bühnen geben für Musik, wie für gesprochenes Wort, Theater und Performances und: wir wollen zusammen tanzen!

Das wollt Ihr nicht verpassen! … Nähere Infos folgen ganz bald unter: www.feministfutures.de
Das Festival ist kostenlos und die Verpflegung auf Spendenbasis. Außerdem bemühen wir uns um günstige Anreise- und Unterkunftsmöglichkeiten. Außerdem organisieren wir Kinderbetreuung.
Das Festival ist offen für alle Geschlechter. Es wird am Samstag einen räumlich getrennten Bereich für Frauen, Lesben, Trans, Inter und Queer geben.
Wir freuen uns auf euch – bei Fragen oder Ideen meldet euch gerne bei uns: femfest@rosalux.org

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Hinweis der Organisator*innen:

Leider mussten wir die Anmeldung für das Feminist Futures Festival schließen.
Wir sind total überwältigt von eurem Zuspruch und den hohen Anmeldezahlen, aber leider stoßen wir an unsere räumlichen und infrastrukturellen Grenzen, weshalb wir die Anmeldung leider schließen mussten. Wenn ihr spontan vorbei kommt, können wir nicht versprechen, dass ihr das Festival besuchen könnt.
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P R O G R A M M

Das Festival hat fünf thematische Schwerpunkte, um die sich eine große Vielfalt an Themen gruppieren: => Öffnen! D/E/Sp
– Die ganze Arbeit
– Reproduktive Gerechtigkeit, Familienpolitiken, Care
– Gewaltverhältnisse und Körperpolitiken
– Sozial-ökologische Transformation
– Postkolonialer Feminismus und Feministische Internationale

Das ganze Programm (Eröffnung Donnerstag 16 h):
=> RLS_Feminist_Futures_Programm

May Ayim

Mis en avant

deutschland im herbst

es ist nicht wahr
daß es nicht wahr ist
so war es
erst zuerst dann wieder

so ist es

kristallnacht:
im november 1938
zerklirrten zuerst
fensterscheiben
dann
wieder und wieder
menschenknochen
von juden und schwarzen und
kranken und schwachen von
sinti und roma und
polen von lesben und
schwulen von und von
und von und von
und und

erst einige dann viele

immer mehr:
die hand erhoben und mitgemacht
beifall geklatscht
oder heimlich gegafft
wie die
und die
und der und der
und der und die
erst hin und wieder
dann wieder und wieder

schon wieder?

ein einzelfall:
in november 1990 wurde
antonio amadeo aus angola
in eberswalde
von neonazis
erschlagen
sein kind kurze zeit später von einer
weißen deutschen frau
geboren
ihr haus
bald darauf
zertrümmert

ach ja

und die polizei
war so spät da
daß es zu spät war
und die zeitungen waren mit worten
so sparsam
daß es schweigen gleichkam
und im fernsehen kein bild
zu dem mordfall

zu dem vorfall kein kommentar:

im neuvereinten deuschland
das sich so gerne
viel zu gerne
wiedervereinigt nennt
dort haben
in diesem und jenem ort
zuerst häuser
dann menschen
gebrannt

erst im osten dann im westen
dann
im ganzen land

erst zuerst dann wieder

es ist nicht wahr
daß es nicht wahr ist
so war es

so ist es:
deutschland im herbst
mir graut vor dem winter

May Ayim (Photo: Orlanda Frauenverlag)

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Bloß keine Tochter! – Un monde sans femmes (ARTE-Doku)

Asiens Frauenmangel und die Folgen

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Regie : Antje Christ, Dorothe Dörholt
Deutschland 2018
Herkunft : NDR
91 Min.
Verfügbar von 19/06/2018 bis 25/06/2018
Nächste Ausstrahlung am Mittwoch, 4. Juli um 09:20

Fast 200 Millionen Frauen « fehlen » in Asien – die Folge gezielter Abtreibung von Mädchen und zweifelhafter Bevölkerungspolitik. Ein investigativer Dokumentarfilm über Frauen, die keine Töchter bekommen dürfen, über verzweifelte Versuche von Männern, doch noch irgendwo eine Ehefrau zu finden, und über den Missbrauch von Frauen als Spielball von Politik und Wirtschaft.
Der Frauenhandel boomt: In China finden Millionen Männer im heiratsfähigen Alter keine Frau mehr – genau wie in Indien und Südkorea. Auf Flugblättern und Plakaten preisen sie ihre Söhne an: chinesische Mütter auf der verzweifelten Suche nach einer Schwiegertochter. Wie konnte es so weit kommen und wer ist dafür verantwortlich, dass weltweit Millionen von Frauen fehlen? Neben anderen Faktoren ist es auch die traditionelle Präferenz von Söhnen ist, die vielerorts zur selektiven Abtreibung von Mädchen geführt hat. Jedoch ist Frauenmangel kein nationales, selbst verschuldetes Phänomen einzelner Länder, sondern Folge gezielter Bevölkerungspolitik von Industrienationen nach dem Zweiten Weltkrieg und deren Angst vor einer Bevölkerungsexplosion: Entwicklungsgelder und der Einsatz medizinischer Geräte spielen damals wie heute eine erhebliche Rolle. Anhand von persönlichen Schicksalen aus Südkorea, China, Indien sowie Vietnam und belegt durch bisher unveröffentlichtes Archivmaterial wird den Gründen und Folgen des von Menschen gemachten Ungleichgewichts der Geschlechter nachgegangen. Ein Blick in die Zukunft: Entführung, Verkauf und Missbrauch von Mädchen und jungen Frauen nehmen zu. Das Phänomen des Frauenmangels und des Männerüberschusses destabilisiert immer mehr Gesellschaften weltweit. Ein investigativer Dokumentarfilm über Verflechtungen aus Politik, Wirtschaft und Medizin, die Frauen – früher wie heute – zum Spielball staatlicher und krimineller Interessensgruppen werden lässt.
© 2018 arte.tv

Rezension:
https://www.noz.de/deutschland-welt/medien/artikel/1252625/grossartig-doku-bloss-keine-tochter-19-juni-20-15-uhr-arte

Woher kommt der Hass?

Woher kommt der Hass, der Verlust der Menschlichkeit?

Wolfram Fischer über die Übergriffe in Clausnitz (er war als Dolmetscher im Bus der Flüchtlinge) => ANSEHEN, ANHÖREN
stern tv – 25.02.2016

Woher kommt der Hass? Zwei Bücher spüren dem nach – und da wir wollen, dass es sich nicht wiederholt, sollten wir versuchen, das zu verstehen.
(Am Tag, als die AfD in drei Landtagswahlen zweistellige Ergebnisse erzielte)

  • Rees, Laurence
    Auschwitz
    Geschichte eines Verbrechens

    (Ullstein 2005)In dieser ebenso fundierten wie erschütternden Darstellung gelingt es Laurence Rees, dem Leser die unfaßbaren Geschehnisse des Holocaust nachvollziehbar vor Augen zu führen – mit einem beunruhigenden Fazit: Der Holocaust ist kein düsterer Alptraum, kein singulärer Exzeß, sondern Ergebnis der menschlichen Veranlagung. Lire la suite

Das berühmte Blue Book über das Massaker an den Herero und Nama

Neues Buch einer französischen Autorin, Elise Fontenaille-N’Diaye, die im Zuge der Aufarbeitung 100 Jahre Weltkrieg 1948-18 Nachforschungen über ihren Urgroßvater anstellte:

blue book

Récit/Roman, Erzählung, Verlag Calmann-Lévy, 2015, 212 p.
ISBN/ISSN 978-2-7021-4412-1
Entdeckt bei Etonnants Voyageurs, dem internationalen Buch- und Filmfestival, das im Mai 2015 in St. Malo stattfand.

« Blue book » était parmi les 6 derniers romans en lice pour le Prix Ouest-France Etonnants Voyageurs, Festival international du livre et du film à St. Malo.
Stimulée par le centenaire de la Grande Guerre, Élise Fontenaille-N’Diaye a voulu écrire sur son arrière grand-père, le général Charles Mangin, dit « le Boucher du Maroc », « le Broyeur de Noir(s) », « le Boucher de Verdun »… Alors qu’elle suit ses traces sur le Chemin des dames, avec ses troupes noires, puis après la Victoire dans la Rhénanie vaincue, elle en vient à s’intéresser à l’histoire coloniale allemande.
Il est une chose dont peu se souviennent, c’est que l’Allemagne fut une puissance colonisatrice. De 1883 à 1916, elle occupa ce qu’on appelait alors le Sud-Ouest africain, l’actuelle Namibie. Il en est une autre que beaucoup ignorent, c’est que cette colonie fut le théâtre du premier génocide du XXe siècle. Un génocide oublié, occulté même, car le premier rapport officiel – le fameux Blue Book – sur le massacre des Hereros et des Namas fut soustrait à la connaissance du public en 1926.
Élise Fontenaille-N’Diaye, alors qu’elle enquêtait sur son aïeul, le général Mangin, a retrouvé ce rapport disparu. Dès lors, elle se devait de raconter.
Si ce livre vise à ranimer le souvenir de cette sombre page de l’histoire du colonialisme, il ne se veut pas un ouvrage de spécialiste. L’auteure y livre son point de vue d’écrivain, son point de vue personnel. Quelque part entre le désert du Kalahari et la presqu’île de Shark Island, au large de Lüderitz, s’est déroulée une macabre répétition générale, préfiguration des génocides à venir.
(c) 2015 schulthess.com